Normalzeugnis Zeugnis
Charlotte v. Schiller an Goethe 16. 9. 1817 (Eing. Br. alph. 802, XLIII)
Wie innig mich der Aufsaz über Schiller gerührt, kann ich nur andeuten. Lebendiger ist das Bild der vergangnen schönen Tage in meiner Seele geworden! und ich habe Ihnen gern auch die Erinnerung dieser schönen Stunden verdankt.
Indem ich Aller dieser Erscheinungen gern gedenke, fallen mir auch manche Aufschlüße ein, die Sie jezt lösen. – Da ich eigentlich Schiller gleich in den Ersten Tagen unsers Sehens, mit innigem Antheil betrachtete, so wunderte ich mich oft, daß Sie so entfernt von ihm waren, weil ich fühlte daß Alles Große u. Gute sich verwandt ist. Auf der andern Seite fühlte ich lebhafter jezt als ehmals, warum Sie erst in spätem Zeiten sich nähern konnten. Das weiß ich wohl, daß wenn Sie die Umstände näher und früher zusammen geführt hätten, eben so wenig eine Störung in eine länger daurende Mittheilung gekommen seyn würde, als in der kürzern Lebensperiode, die Sie Schiller so verschönert haben. –
Daß Sie meiner freundlich gedenken und mir Gerechtigkeit wiederfahren laßen, fühle ich mit Rührung, denn ich sah mit großer Freude in Ihrem Finden einen Wunsch meines Herzens erfüllt. – Was die frühere Bekanntschaft mit mir betrift, möchte ich sagen, daß Sie mich nicht so früh haben kennen lernen, daß ich nicht Allen Werth und Würdigung Ihres Wesens empfunden hätte. Ich weiß wohl daß ich recht gut wußte, wie lieb man Sie haben konnte, als ich Sie zuerst sah.
Bezüge im Wissensnetz
Teil von (2)
GZP-Knowledge-GraphHat Sprache (1)
GZP-Knowledge-Graph- Deutsch