Normalzeugnis Zeugnis
Amalia Fürstin Gallitzin an Goethe 2. 12. 1793 (Trunz S. 89)
Ich wurde als eine die Sie von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte verschiedentlich aufgefordert von ihnen zu reden, welches ich denn eben nicht ungern thue, insonderheit gern redete ich mit Fritz Stollbergen von ihnen ... Mit manchen der übrigen sprach ich unter andern auch darum gern von ihnen, weil ich ihr sonderbares Wesen worüber so viele auch unter den gediegenst guten und edlen Menschen, sich unterweilen unrichtig wundern und nicht wundern etwas beßer inne zu haben mir einbilde, als die meisten unter ihnen zu haben scheinen, ohne jedoch grund zu einigem Stolz darin zu finden, denn ich fühle zu sehr daß mir’s, wenn sie sich hätten die Mühe geben wollen den Proteus bey mir zu machen, den sie bey so manchen ehrlichen leuten müssen gespielt haben – um kein Haar beßer gegangen seyn würde, dafür will ich aber auch meiner seits nicht den Undank bey ihnen spielen, und lieber aufrichtig gestehen daß ich die offenherzigkeit und Einfalt, mit welcher sie sich mir beständig, vorzüglich aber in einigen mir unvergeßlichen Stunden, dargestellt haben, nicht der Mühe scheue – sondern einem Grunde zuschreibe, den ich in meinem Herzen finde, so oft ich ihrer gedenke.
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