Brief

Von Karl August Böttiger (22. Mai 1797)

B. übersendet den 2. Aushängebogen von "Hermann und Dorothea". Lob der Interpunktion; sie unterstütze den Deklamator, was bei diesen so ganz fürs Gehör und fürs Vorlesen berechneten Gesängen nicht unwichtig sei. Das Manuskript sei am Vortage an J. F. Vieweg nach Berlin abgegangen. Über die Beanstandung eines Doppeltspondaikon in VI,6 durch C. G. Voigt; B. lege sein Billet selbst bey. Es könne allenfalls dem kalten syllabirenden Leser, aber nicht dem accentuirenden Hörer anstößig seyn. - Am Vortage habe der Basler Buchhändler M. S. F. Schoell einige Gesänge von de Lisle (J. Delille) "L'homme des champs ou les Géorgiques françaises" (1800) bei Herzogin Anna Amalia in Wielands und Herders Gegenwart vorgelesen; der Dichter habe sie seinem Verleger Schoell selbst diktiert. Wenn doch einmal gemahlt seyn muß, so ist hier mehr als Thompson und Pope. Das Gedicht müsse unter allen Lesern französischer Zunge und Denk-Form großes Glück machen. Künftige Woche komme B. auf einen Tag nach Jena und werde unter anderem auch seinen italienischen Neuigkeitssack aufthun. G. möge ihn gelegentlich bei Schiller, der in der unsichtbaren Kirche vieleicht keinen wärmern Verehrer haben kann, einführen.

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