Brief
Von Karl Friedrich Zelter (10. bis 11. Dezember 1824)
1824 Dezember 10 Dank für G.s Geschenke (Medaille mit G.s Bildnis von A. Bovy nach C. Rauch), besonders aber "Die Leiden des jungen Werther" (Jubiläumsausgabe zur 50. Wiederkehr der Erstausgabe). Z., der alle Ausgaben besitze, könne sich daran nicht genug ergötzen. - Die Medaille wäre er geneigt allen Abbildungen von G. vorzuziehen. - Da G. dem Urteil Z.s über "Die Mitschuldigen" (Aufführung im Königsstädtischen Theater am 26. November; vgl. RA 10, Nr. 1043) zustimme, lege Z. die Abschrift eines Briefes an J. Mendelssohn bei, in der er seine Einschätzung erläutere. - G.s Bemerkungen über eine Aufführung von G. Rossinis "Tancredi" (in Weimar am 27. November, Libretto von G. Rossi) habe Z. sehr erheitert. - Über einen angeblichen Brief Mozarts, der in der Wiener "Allgemeinen Theaterzeitung" (1824, Nr. 138) abgedruckt sei und in dem dieser einen Baron, der seine Kompositionen zur Begutachtung übersandt habe, kritisiere. Reflexionen über Fragen des Talents bei seinen eigenen Schülern und über seine eigene Methode des Lehrens. F. A. Wolf habe Z. häufig vorgeschlagen, an der Berliner Universität Vorlesungen zu halten. Außer zwei Singakademietagen halte Z. seit länger als 20 Jahren noch ein Freitags Kollegium in seiner Wohnung ab, in denen F. Mendelssohn Bartholdy der Obermann sei. Sein schöner Fleiß ist die Frucht einer gesunden Wurzel und seine Schwester Fanny hat ihre 32te Fuge fertig. 1824 Dezember 11 Anlässlich Z.s Geburtstag mache man ihm heute Spässe.
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