Brief
Von Melchior Hermann Joseph Georg Boisserée (21. April 1824)
Nachricht, dass B. am 4. April mit dem Postwagen an G.s Adresse zwei Kistchen gesandt habe, enthaltend die 1. und 2. Lieferung des DomWerks (S. Boisserée "Ansichten, Risse ... des Doms von Köln") für G. und die 2. Lieferung für Großherzog Karl August sowie die 7. bis 10. Lieferung des lithg. Werkes ("Die Sammlung Alt-, Nieder- und Oberdeutscher Gemälde der Brüder ... Boisserée und Johann Bertram. Lithographiert von N. Strixner") für Großherzog Karl August und die 9. und 10. Lieferung für G. (vgl. RA 10, Nr. 474 und RA 10, Nr. 652). - S. Boisserées Rückkehr aus Paris habe sich durch die Arbeiten am Domwerk und zuletzt durch die lithographische Angelegenheit (Studien zur französischen Drucktechnik) über alle Erwartung hinausgeschoben. Falls S. Boisserée dies noch nicht getan habe, werde er G. über seine Erkenntnisse von Stuttgart aus berichten. Nachdem er sich über die Fortschritte der Franzosen im einfachen schwarzen Druck überzeugt habe, ließen wir auch Herrn Strixner und einen untergeordneten Drucker nach Paris gehen, um sich die Fertigkeiten anzueignen. Ausführliche Einschätzung B.s über den Stand in Frankreich und die Schnelligkeit der Produktion: Wird (J. A.) Manuel Morgens aus dem Sitzungsale herausgeworfen, so kann der lieberale Plebs sich Abends schon an dem Bildniß des gefeierten Rebellen erfreuen. Weitere Beispiele für die Schnelligkeit, unter der die Qualität der Kunst gelitten habe; erwähnt: der Prinz von Palagonia. - Die Aufsätze zum Steindruck in "Über Kunst und Altertum" (H. Meyer "Fortschritte des Steindrucks", in: Heft IV 2, sowie Meyer und G. "Französische Steindrucke", in: Heft V 1) habe man mit Interesse gelesen und könne den Beobachtungen nur zustimmen. Die Technik entwickele sich aber schnell und sei eines hohen Grades der Vervollkommnung fähig. Über nötige Schritte von der Masse zur Qualität zu kommen. Reflexionen darüber mit Anspielung auf Dorvignys Komödie "Le désespoir de Jocrisse". - Das von S. Boisserée an G. gesandte Porträt G.s sei von Strixner (nach J. Raabe) in Paris gezeichnet und nach französischer Art gedruckt worden. Veröffentlicht werden solle es jedoch erst, wenn die Qualität verbessert worden sei. Man habe aber schon jetzt mit G. einen mächtigen Fürbitter und Schutzpatron bemüht und quasi sein Bild dem Unternehmen voranschicken wollen; erwähnt: F. Neri und G.s "Sankt Rochusfest zu Bingen". - Über G.s in der Beschreibung der Boisseeréeschen Sammlung in "Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden" (Abschnitt Heidelberg) geäußerten Wunsch, die Maße der Gemälde mitzuteilen, der der Beweggrund für "Die Sammlung Alt-, Nieder- und Oberdeutscher Gemälde der Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée und Johann Bertram" gewesen sei. Erinnerung an G.s Besuch in Köln (vgl. G.s Tagebuchnotiz vom 26. Juli 1815). Nachdenken über die vielen unerfüllten Wünsche, die nach den Befreiungskriegen geäußert worden seien und was hätte geschehen können, wenn sie ihren hochgefeierten Dichter manchmal als Geheimerath in weltlichen Dingen zu Rathe gezogen hätten. - Ankündigung weiterer Lieferungen des lithographischen Werkes; erwähnt: "Tod der Heiligen Maria" (von J. van Scorel nach J. van Cleve) und die 3 Könige von J. van Eyck.
Bezüge im Wissensnetz
Erwähnt (13)
GZP-Knowledge-Graph13 Einträge anzeigen
- Dorvigny
- Manuel, Jacques Antoine
- Strixner, Johann Nepomuk
- Eyck, Jan van
- Cleve, Joos van
- Scorel, Jan van
- Bertram, Johann Baptist
- Neri, Filippo
- Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach
- Johann Heinrich Meyer
- Boisserée, Johann Sulpiz Melchior Dominikus
- Palagonia, Ferdinando Francesco Gravina e Alliata
- Raabe, Karl Joseph
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