Normalzeugnis Zeugnis

Colloquium: Wolfgang et Maximilian (JG3 1, 12)

M. Wo bleibst du so lange? W. Hastu auf mich gewartet. M. So ists: und zwar schier eine Stunde. W. Es ist mir leid, ich habe nicht gekont sonst wäre ich eher gekomen. M. Was hattestu den noch zu thun. W. Ich muste den Tisch decken und alles zum Empfang guter Freunde bereiten helfen. M. Eine herliche Sache: warum bliebstu nicht zu Hause. W. Meine Eltern wolten mich nicht beym Schmaüsgen haben: darnach hatte ich dir versprochen noch hieher zukomen ehe der Lehrmeister sich einstelle. M. Was will das sagen daß man dir befohlen hat aus dem Hause zu gehen da ihr Gäste erwartet. W. Woran mir nichts gelegen, da unterlasse ich alles Nachgrüblen. M. Du hast zwar recht, aber du komst dabey zu kurtz W Was soll mir das: sie mögen schmausen. Ich aber freue mich dich wol zusehen M. Sage demnach wie vertreiben wir uns die Zeit biß der Lehrmeister komme. W. Wir wollen mittlerweile des Speccius seine Übungen der Declinationen und Coniugationen vor die Hand nehmen. M. Weg mit diesem Zeitvertreib. W. Wilstu etwa des Comenii seine sichtbare Welt aufschlagen und ein Paar Capitel mit mir wiederholen. M. Auch diesen nicht, wens auch die erneuerte Viersprächige wäre. W. So will ich noch eines vorschlagen, und das sol der angehende Lateiner seyn. M. Nichts minder: Laß mir dermalen die Bücher vom Leibe. W. Sage du nun selbst was zu thun. M. Ich hasse das ernsthafte, den das überlasse ich den Sauer-Töpfen. W. Du bist sehr lang: Sags einmal heraus, in was es bestehen soll. M. Wisse, wir wollen uns einander mit den Köpfen stutzen. W. Das sey ferne: meiner schickt sich wenichstens dazu nicht. M. Was schadet es: laß sehen wer den härtesten habe. W. Höre, wir wollen dieses Spiel denen Böcken überlassen, welchen es natürlich ist. M. Verzagter: wir bekommen durch diese Übung harte Köpfe. W. Das wäre uns eben keine Ehre. Ich will meinen lieber weich behalten. M. Wie verstehestu das? W. Ich mag nicht hartnäckig werden. M. Hierinnen hastu recht: allein ich nehme es von der Festigkeit der Glieder. W. Wen du weiter nichts wilst, so stose den Kopf nach Belieben nur brav wieder die Wand: es wird die erwünschte Würckung haben. M. Du bist ein guter Ratgeber: ich aber wäre ein Narr wen ich folgte. W. Erwehle nur einander Spiel das menschliger ist. M. Wolan, so nim diesen Stock, mittlerweile der Lehrmeister abwesend. W. Was wilstu den, daß ich mit thun soll. M. Warte, du wirsts gleich erfahren. Ich will hier das Lieneal nehmen; und so wollen wir miteinander tapfer fechten. W. Dieses ist ja eben so mißlich. Wie aber, wen der Lehrmeister uns in dieser Stellung anträfe. M. Fürchte dich nicht: Seine Stunde ist noch nicht komme: Fechte brav zu: Hauend und stosend wie du wilt. W. Höre höre es klopft: habe ichs nicht gesagt. Herein. M. Wehe mir: Wo sind meine Bücher. Riegele nur ein wenig die Thür zu. W. Das lasse ich bleiben. Es geziemet sich nicht den Lehrmeister auszuschlisen: herein. M. Er kan nun imer komen, ich bin in guter Ordnung und fürchte nichts. W. Das muß ein guter Geist gewesen seyn, der uns die Ankunfft des Lehrmeisters angedeutet: den siehe da komt Er erst her! M. Ja wohl war es ein blinder doch uns heilsamer Lermen: laß uns gantz stille schweigen.

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