Normalzeugnis Zeugnis
Carl August, Tagebuch 8. 11. 1779 (Funde und Forschungen S. 183)
¾7fort zu Pferd. 3 St. weit biß an eine Brücke über die Rhone, bey sehr schönen Wetter. Die Brücke war halb abgedeckt, wir wolten nicht einen Fußstieg am Waßer folgen, musten über 1½ St. zurück, über zwey abscheuliche Brücken, biß fast vor Martinach; dieses verdarb zum Glück meinen Humor nicht, sondern machte ihn wirklich reiner, denn ich sahe, wie das Glück uns so schön hatte führen wollen, denn wir musten einen hohen Berg hinauf, wo wir ein groß Theil des Thals in der schönsten Nachmittags Sonne zu sehn bekamen bey einen alten Schloß vorbey; gegen über, über der Rhone liegt ein anderes; die Besitzer, sagt man, haben sich sonst den guten Morgen durch Trompeten gegeben. Unter einer langen Weinlaube fort, endl. um 4 Uhr nach Sitten od. Sion, die Haubtstadt von Wallis, also die Pferde über 9 Stund ohne zu füttern geritten. In einen Dorfe wolten wir ihnen Brod geben, es war aber keins da. Bey der Stadt liegen zwey Schlößer, eines hieß Chateau de Tourbillon, zerstört, das andere Vallais. Erstaunlich viel simple Menschen und Kröpfe. Im Wallis noch nichts als Wein von diesen Jahr gefunden. Hier im Gasthof zu Sion brach auf einmahl über eine kleine discrepantz, Wedels unleidlich krancker Humor auß, wurde aber ziemlich zurückgeschlagen, u. gethan was man wolte; von ihm keine Notiz genommen; er sich sehr prostituirt. Zu Fuß bis Seiders, od. Siers. 3 St. bey schöner Sternhelle. Mit Göthen recht hübsch Geschwätz. Schöne Sinnen; viel an meiner Seite Schmertzen gelitten. Willige Wirthsleute, sonst schlecht. NB. Unsere Pferde, die wir in Bex antrafen, waren mit Wedeln über Lausanne, Vevay, Villeneuve u. Aigle gegangen.
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