Normalzeugnis Zeugnis
Dichtung und Wahrheit XVIII (WA I 29, 116)
Am 16. Juni 1775, denn hier find’ ich zuerst das Datum verzeichnet, traten wir einen beschwerlichen Weg an; wilde steinige Höhen mußten überstiegen werden, und zwar in vollkommener Einsamkeit und Öde. Abends ¾ auf Achte standen wir den Schwyzer-Hacken gegenüber ... und gelangten um zehn Uhr nach Schwyz. Wir waren zugleich müde und munter geworden, hinfällig und aufgeregt; wir löschten gähling unsern heftigen Durst und fühlten uns noch mehr begeistert. Man denke sich den jungen Mann, der etwa vor zwei Jahren den Werther schrieb, einen jüngern Freund Passavant, der sich schon an dem Manuscript jenes wunderbaren Werks entzündet hatte, beide ohne Wissen und Wollen gewissermaßen in einen Naturzustand versetzt, lebhaft gedenkend vorübergegangener Leidenschaften, nachhängend den gegenwärtigen, folgelose Plane bildend; im Gefühl behaglicher Kraft das Reich der Phantasie durchschwelgend; dann nähert man sich der Vorstellung jenes Zustandes, den ich nicht zu schildern wüßte, stünde nicht im Tagebuche: „Lachen und Jauchzen dauerte bis um Mitternacht.“
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