Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (17. August 1818)

Dank für G.s Brief, der B. kurz vor der Abreise aus Heidelberg erreicht habe. - Ausführliche Beschreibung des Badelebens in Ems: Die Ortlichkeit biethet schon nicht viel Anlaß zu Versuchungen, zudem sei B. durch die Begleitung eines jungen Freundes und Kunstbeflissenen, L. Schorn, vor Zerstreuungen geschützt. Die Gesellschaft stelle fast eine kleine Berliner Welt vor; erwähnt: Prinz Friedrich von Preußen und seine Gemahlin Luise, für deren Brautfest A. Hirt seine abgeschmackten Hierodulen angewendet habe (vgl. RA 8, Nr. 282). Humorvolle Beschreibung zweier gelehrter Geistlicher aus Berlin: ein alter Schulmann (J. J. Bellermann), der sich für Conchylien und Petrefacten, für Abraxas und phoenizisch-punische Münzen interessiere, sowie ein jüngerer (K. Grell), Schüler F. Schleiermachers und der Volksthümlichkeit und dem Magnetismus zugethan; erwähnt: Grells Ehefrau. Grell führe ein lächerliches magnetisches Heiligthum mit sich; ausführliche Beschreibung desselben; erwähnt: Flaschen, die aus der kosmischen Arche des Herrn Wolfart gefüllt seien. - Zu B.s Plänen nach der Kur; erwähnt: Graf K. F. Reinhard und B.s Angehörige in Köln. - F. J. Schelver habe sich mit seinen Tollheiten eine vom Ministerium verordnete Obermedizinal Commission über den Hals gezogen; erwähnt: der Wundermann (Auth). - G.s Aufträge an die Heidelberger Freunde (F. Creuzer, H. Voss d. J. und K. C. von Leonhard) habe M. Boisserée besorgt. - Von dem allerliebsten Vers an G.s kleinen Enkel ("Den frischen Ankömmling Wolfgang von Goethe begrüßt, belehrt und verbündet eine Gesellschaft Mineralogen", WA I 4, 46f.) habe B. eine Abschrift genommen. - Glückwünsche zu G.s Geburtstag. - Sophie Paulus, die launenhafte Klavier-Spielerin, habe sich mit A. W. von Schlegel verlobt.

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