Brief
An Gottfried August Bürger (30. Mai 1781)
Ihrem Vertrauen kan ich nicht besser als mit Offenherzigkeit antworten.
Sie wünschen Ihren Zustand zu verändern, Sie glauben daß ich beytragen könnte Sie in einen andren zu versetzen.
Eh ich irgend etwas weiter sagen kan, bitt ich Sie um nähere Eröfnung: was Ihnen Ihren ietzigen Zustand druckend ia unerträglich macht, was für eine Aussicht Sie Sich wünschen, was für ein bestimmtes Talent Sie angeben, womit Sie sich zu irgend einem Amt und Versorgung anbieten können?
Ich bin in nichts vorsichtiger, und habe so viel Anlass und Ursache es zu seyn, als das Schicksaal eines Menschen mehr zu über nehmen. Man kan ihnen kaum das nothdürftige geben und das nothdürftige findet sich überall. Mit Ihnen halt ich es doppelt für Schuldigkeit aufrichtig und behutsam zu Wercke zu gehn.
Machen Sie mich also mit Ihren Umstanden näher bekannt, wir wollen in einer so wichtigen Sache die möglichste Klarheit suchen.
Behalten Sie mich lieb.
Weimar d. 30 May 81
Goethe
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