Brief
Von Johann Gottlieb Radlof (30. Oktober 1816)
Klage über die gegenwärtig vorherrschende geringe Wertschätzung der deutschen Sprache und Literatur; unter den ersten FriedensGesandten zu Paris seien 1814 nur Wenige gewesen, die richtig Teutsch zu schreiben vermochten. R. habe den Zustand der Literatur des Vaterlandes im Münchner "Gesellschaftsblatt für gebildete Stände" (1815, Nr. 4, "Die teutsche Literatur zu Krähwinkel", vgl. Ruppert 729) geschildert. Scharfe Kritik an F. von Spaun, der in Reaktion darauf in der gleichen Zeitung G.s "Faust" besudelte (vgl. "Protestation gegen die Staelische Apotheose des Goethischen Faustus"). - Übersendung eines Aufsatzes die Genitivfügungen betreffend (? "Aufforderung an alle denkenden Schriftsteller, die Wiedereinführung der absoluten Genitive aus dem Altdeutschen betreffend", Ruppert 709) und seines Buchs "Die Sprachen der Germanen in ihren sämtlichen Mundarten" (Ruppert 714) mit Bitte um G.s Urteil und Empfehlung in den Kreisen höherer Personen. - Polemik gegen H. K. A. Eichstädt und so Manche seiner Genossen, deren Urteile R. nicht beirren würden (Anspielung auf K. L. von Woltmanns Rezension von R.s "Frankreichs Sprach- und Geistestyrannei über Europa", in: JALZ 1814, Nr. 103). Wer blos wegen eines Druckfehlers den alten teutschen 'Ziegenhayner' zu Waffen gebe, verdiene nicht, Vorstand einer gelehrten Anstalt zu sein. Bezugnahme auf Plutarchs Schilderung von G. Marius' Sieg über die teutschen (in: "Leben des Marius"); erwähnt: Kaiser Karl V.
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