Brief

Von Johann Peter Eckermann (24. Mai 1823)

Hoffnung, der Brief werde G. in völligem Wohlseyn antreffen. - E. bringt seine vor etwa 1 1/2 Jahren übersandten "Gedichte" (vgl. Ruppert 879 und RA 9, Nr. 965), die G.s Beyfall gefunden hätten, in Erinnerung. Nun übersende er seine Gedanken über verschiedene Gegenstände der Poesie, die er unter dem Titel "Beiträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe" (vgl. Ruppert 1922) veröffentlichen wolle. E. habe seine Gedanken aus einem Streit des Rechten und Verkehrten heraus entwickelt, wobei G. und sein Werk für das Rechte stünden, wogegen ihm das Verkehrte auf der Universität Göttingen täglich als Widerspruch entgegen gekommen sei, weshalb er die Universität im letzten Herbst auch verlassen habe. Er lebe nun in einem Dorf in der Nähe von Hannover, wo er die Zeit gefunden habe, das Buch zu vollenden. Nun könne er sich wieder der Verwirklichung lange gehegter größerer poetischer Vorsätze widmen. Zuvor müsse er aber seine sehr mißliche ja bedrängte Lage verbessern. Sein akademisches Studium sei ins Stocken gerathen, da er sein juristisches Studium nach einem und sein philosophisches nach einem halben Jahr abgebrochen habe. Sein Wesen sei das Praktische, weshalb er auf eine Anstellung im administrativen Fach hoffe. - Bitte, dem Manuskript, das F. W. Riemer G. vorlegen werde, einige empfehlende Worte an J. F. von Cotta beyzufügen; E. habe es der Cottaschen Buchhandlung angeboten.

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