Normalzeugnis Zeugnis

Ungenannt in: Eisenacher Sonntagsblatt f. Stadt u. Land 23. 3. 1828, S. 76

Das Bad zu Ruhla war im Jahr 1789 stark besucht. Unter den Anwesenden befand sich auch Göthe. An einem ziemlich trüben Tage ersuchte Göthe einen Herrn v. Stein, mit ihm eine Spazierreise auf den Inselsberg zu machen. Vergebens stellt dieser ihm das hierzu unpassende Wetter vor; Göthe bleibt dabei, hingehen zu wollen und ungern wird die Einladung angenommen . – Auf dem Wege dahin wurde nun der Nebel immer dichter und verwandelte sich zuletzt in Regen. Herr von Stein machte seinem Aerger durch Vorwürfe, daß man dieses voraus gewußt, daß ihm aber nichts abzurathen sey etc. Luft. Göthe schwieg hierzu, beschäftigte sich mit Steine-suchen, zerschlug sie mit dem Waldhammer, nannte dem stets Murrenden deren Namen, Eigenschaften und in welche Ordnung sie gehörten. Doch nun hatte aber der Unmuth des Herrn von Stein den höchsten Grad erreicht; was gehen mich Ihre Steine an! rief er hitzig aus, ich rede von Ihrem Starrsinn, der uns in dieses Wetter geführt hat; doch, fuhr er fort, gleichsam um das eben hitzig gesprochene etwas zu mäsigen, wenn Sie denn ein so großer Mineralog sind, so sagen Sie mir, was bin ich denn für ein Stein? Auch das versetzte Göthe, will ich ihnen sagen: Sie gehören in die Klasse der Kalksteine, kömmt Wasser auf diese, so braussen sie.

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