Brief
Von Johann Heinrich Meyer (20. Oktober 1795)
Über seine ersten Eindrücke von Nürnberg und München. In Nürnberg seien ihm infolge der Vielzahl auffallender Kunstgegenstände nur ein Überblick und damit magere Relationen möglich gewesen. Durch Knebel könnte G. eine nähere Beschreibung erhalten. Im Nürnberger Volk glühe noch jetz ein dädalischer Funcke, Empfehlung einführender Lektüre: C. G. von Murr, "Beschreibung der vornehmsten Merkwürdigkeiten in des H. R.' Reichs freien Stadt Nürnberg" (Ruppert 3999) und J. G. Doppelmayr, "Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern" (Nürnberg 1730). - M. eile, um über die Alpen zu kommen, obwohl es hier vortreffliche Kunstwerke in den Kirchen und in der Galerie gäbe; zu letzteren lege er Tabellen bei. - Beiliegende Blätter seien Zeugnis vom Besuch des Schlosses Nymphenburg vom 20. bis 21. Oktober mit M. von Verschaffeldt. Jener besitze Ansichten von den Amphitheatern zu Capua und Benevent, vom Triumphbogen des Augustus zu Rimini und vom Grab Vergils, die G. dienlich sein könnten. - Unter den Menscher in München herrsche geringe Bildung, So stehe auch M. im Widerspruch zu den Meinungen der hiesigen Kunstkenner, z. B. ordne er das Bild "Christus läßt die Kinder zu sich kommen" G. Romano und nicht V. Selaer zu. Allerdings verkenne er nicht die Schwierigkeiten in der Beurteilung der Manieren der Meister. - Während seines achttägigen Aufenthaltes in München habe M. nichts zeichnen können, da ihn die tabellarische Methode beim Betrachten der Bilder, über deren weitere Anwendung er G.s Rat erbitte, zu viel Zeit gekostet habe. - Da die Postkutsche keinen geraden Weg nach Innsbruck nehme, müsse M. einen Umweg über Augsburg antreten.
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