Brief

Von Wilhelm von Humboldt (25. Februar 1804)

Bitte um Wiederbelebung des Briefwechsels. - Der Tod seines Sohnes Wilhelm habe in H.s Ansichten und Leben eine Änderung bewirkt und eine nicht auszufüllende Lücke gerissen. Über Theodors Erkrankung, weswegen H.s Frau mit ihm und Karoline zu ihrem Vater nach Erfurt reisen und bis zum Herbst dort bleiben werde. Sie freue sich sehr auf eine Begegnung mit G. Über H.s und seiner Töchter Adelheid und Gabriele Wohlergehen in Rom. Wegen vielerlei Geschäfte, Gesellschaften und Briefwechsel seien seine Studien und literarischen Arbeiten nur wenig vorangekommen. - Begeisterte Anteilnahme an G.s "Natürlicher Tochter", deren andere Hälfte er jedoch vermißt. - In diesem Winter habe H. viel mit Dichterlingen [...] u. Improvisatoren gelebt. Plädoyer für die Stegreifrede; dabei Schilderung eines siebzehnjährigen Mädchens, das aus der Heiligen Schrift improvisiere, und Erwähnung ihres Lehrers Berardi [...], der echte italienische Ramler. Ausführlich über die italienische Sprache und ihre positive Kraft, die weit über jener der lateinischen, französischen und spanischen liege, nicht aber an die der deutschen Sprache, die der griechischen näher stünde, heranreiche. Erwähnung von Tasso, Dante und Ariost. Charakterisierung der Madame de Staël, die er zugleich bewundere und bedaure, weil sie in einen so engen u. armseligen Kreis gebannt sei. - Ergänzung zum Bericht K. von Humboldts über in Rom lebende Künstler: B. Thorvaldsen, C. G. Schick, J. C. Reinhart, P. N. Guérin, C. Dupaty. Über seine vergeblichen Versuche, Kunstgegenstände zu kaufen. - Freude über G.s Zufriedenheit mit Riemer. H. legt einen Brief von P. J. Rehfues an Eichstädt bei, in dem sich Rehfues um die Mitarbeit an der JALZ bewerbe. Sein Journal "Italien" (Berlin, seit 1803) müßte ihn ausweisen können.

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