Normalzeugnis Zeugnis
J. I. Gerning, Tagebuch 26. 10. 1794 (FDH)
Den 19t (:heute vor 8 Tagen:) zuerst Morgs Göthe besucht u. da u: Nach’m Essen fast zu 1. mal – auf meine letztl. hohe Unterredg. kühner – mit ihm aufs Mark des Wissens mehr gedrungen; er sagte: „Die Gemüthsstimmungen haben den grösten Einfluß beym Dichten, das er oft empfunden – daß man oft so großen Umweg machen müsse wie auch ihm geschehn – Klopstock (u. Gleim p.) die Herren läsen nur ihre eigne Sachen – Klar u: verständlich p seyn in Oden u: in allen. Der Meißner Dialect sey nicht so übel, er habe ja auch u: oft kurz u: gut genug drinn geschrieben nur müsse man ihn mit andern weislich vermischen (hierinn stimmte auch sein Geistes Bruder Schiller) Oden wären seine Sache nicht, er habe sich an näher bildliche u gestaltende ? gehalten – Elegien näher zum Dramatischen von diesen las er mir einige Ovid Properzische über sinnl. Liebe Kunst u. Alterthum dringlich vor. Auf m. Klopstockische Ehre, schien er mir nun eröffnen u: fließender, daß er mit der Idee das Sylben Maas fortarbeiten u: eins nach dem andern sich eigen zu machen gut finde; /: wie auch ich schon that u: fand:/ nur dürfe es nicht reuen das ganze Stck ? zu nichten u: ja ’n Pack dem Feuer zu weihen.
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