Normalzeugnis Zeugnis

Tagebuch 18. 9. 1797 (WA III 2, 147)

Schlößchen Wörth. Ich ging hinein, um ein Glas Wein zu trinken. Alter Eindruck bey Erblickung des Mannes. Ich sah Trippels Bild an der Wand und fragte, ob er etwa zur Verwandtschaft gehörte. Der Hausherr, der Geltzer heißt, war mit Trippel durch Mütter Geschwisterkind. Er hat das Schlößchen mit dem Lachsfang, Zoll, Weinberg, Holz u.s.w. von seinen Voreltern her im Besitz, doch als Schupf-Lehn, wie sie es heißen. Er muß nämlich dem Kloster oder dessen jetzigen Successoren die Zolleinkünfte berechnen, ⅔ des gefangenen Lachses einliefern, auf die Waldung Aufsicht führen und daraus nur zu seiner Nothdurft schlagen und nehmen; die Nutzung des Weinberges und der Felder gehört ihm zu, und er giebt jährlich überhaupt nur 30 Thaler ab. Und so ist er eine Art von Lehenmann und zugleich Verwalter. Das Lehn heißt Schupf-Lehn deswegen, weil man ihn, wenn er seine Pflichten nicht erfüllt, aus dem Lehn heraus schieben oder schuppen kann. Er zeigte mir seinen Lehnbrief von Anno 62, der alle Bedingungen mit großer Einfalt und Klarheit enthält. Ein solches Lehn geht auf die Söhne über, wie der gegenwärtige Besitzer die ältern Briefe auch noch aufbewahrt ... Um 10 Uhr fuhr ich bey schönem Sonnenschein wieder hinüber ... Unterm Thore des Wirthshauses fand ich ein paar Franzosen wieder, die ich auch am Rheinfall gesehen hatte. Der eine war wohl damit zufrieden, der andere aber sagte: C’est asses joli, mais pas si joli que l’on me l’avait dit. Ich möchte die Ideen des Mannes und seinen Maasstab kennen. Bey Tische saß ich neben einem Manne, der aus Italien kam und ein Mädchen von ohngefähr 14 Jahren, eine Engländerin, Namens Dillon, deren Mutter, eine geborne D’Alston, in Padua gestorben war, nach England zurückführte. Er konnte von der Theurung in Italien nicht genug sagen. Ein Pfund Brot kostet 20 französische Sous und ein paar Tauben einen kleinen Thaler ... Um 3 Uhr fuhr ich wieder nach dem Rheinfall ... Wir fuhren näher an ihn hinan ... Wir bestiegen wieder das kleine Gerüste, und es war eben wieder als wenn man das Schauspiel zum erstenmal sähe ... Im Zurückgehen legitimirte sich bei mir Denfeld, ein Schwede, durch einen Brief von Kosegarten. Er ist auf einer so genannten genialischen Fußreise begriffen.

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