Brief

An Johann Heinrich Merck (4. Dezember 1774)

Lieber Bruder, Wer nicht richtet sondern fleisig ist Wie ich bin und wie du bist Den belohnet auch die Arbeit mit Genuss Nichts wird auf der Welt ihm Überdruss. Denn er bläcket nicht mit stumpfem Zahn lang gesottnes und gebratnes an das er wenn er noch so sittlich kaut Endlich doch nicht sonderlich verdaut Sondern fasst ein tüchtig Schinckenbein Haut da gut Taglöhnermässig drein Füllt bis oben gierig den Pokal Trinckt und wischt das Maul wohl nicht einmal Sieh so ist Natur ein Buch Lebendich Unverstanden doch nicht unverständlich denn dein Herz hat viel und gros Begehr Was wohl in der Welt für Freüde wär, Allen Sonnenschein u. alle Bäume Alles Meergestad u. alle Träume In dein Herz zusammeln mit einander Wie die Welt durchwühlend Bäncks Solander. Und wie muss dirs werden wenn du fühlest dass du alles in dir selbst erzielest. Freude hast an deiner Frau u. Hunden Als wohl keiner in Elisium gefunden Als er da mit Schatten lieblich schweifte Und an goldnen Gottgestalten streifte Nicht in Rom in Magna Gräzia Dir im Herzen ist die Wonne da Wer mit seiner Mutter der Natur sich hält Findt im Stengelglas wohl eine Welt. d. 4 Dez Sonntags 1774. G.

Bezüge im Wissensnetz

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Wurde abgesendet von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde gesendet an (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde abgesendet aus (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wird angeführt von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Kategorie (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Brief und Korrespondenz

Teil von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen