Brief
An Christian Gottfried Nees von Esenbeck (11. September 1826)
An Christian Gottfried Daniel Nees v. Esenbeck.
Ew. Hochwohlgeboren
haben mich abermals durch die umständliche Nachricht des hold und geistreich unternommenen Festes wahrhaft verpflichtet. Hiebey dringen sich gar mancherlei Betrachtungen auf. Erlauben Sie mir die allgemeinsten:
Alles, was sich ereignet, erfreulich oder unerfreulich, müssen wir zuletzt geschehn seyn lassen; dabey ist denn aber jedesmal die genauste Kenntniß des Vorgegangenen wünschenswerth und beruhigend. Hievor danke ich nun zum allerbesten, mit Hoffnung und Wunsch, daß die Glieder der werthen dießmal vereinten Gesellschaft, zu welchem Feste sie sich auch versammeln dürften, auch meiner gedenken möchten.
Gar manches, was ich darüber zu sagen hätte, verspare ich auf eine andere Gelegenheit. Nur soviel! Es werden Tage kommen, wo man erkennen wird, daß man in solchem Falle sich eben selbst feyert. Die reine
Sie sehen, daß ich rede da, wo ich zu schweigen gedachte, aber ich wüßte keinen bessern Commentar zu Ihrem werthen Brief; jede Zeile desselben phosphorescirt von allerliebster Neigung und herzlichem Wohlwollen.
Soviel für heute, mehreres nächstens.
Herrn Canzler v. Müller beneide, für die Acta danke zum schönsten, wegen abstrusen Briefes bitte um Entschuldigung. Nächstens das freyere, weitere.
treulichstGoethe.
W. d. 11. Sept. 1826.
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