Brief

An Carl Friedrich Zelter (15. September 1807)

Sie sind ein trefflicher Freund! Wie ich nach Hause kam fand ich die Gesänge, und schon ist der Anfang zur klei nen Singschule gemacht. Wir werden nach und nach die Sänger des Theaters und unsere Choristen herbey ziehen, auch Personen aus der Stadt und sehen wie weit wir kommen. Hübschen Raum haben wir im Theatersaal. Ihre abermalige Einladung macht mir das Herz schwer. Daß ich Ihre Anstalt nicht schon habe kennen ler nen, ist unerlaubt; aber ich habe schon seit mehreren Jahren ein gewisses Kleben am Wohnort, das vorzüglich daraus entspringt, weil in mir noch so viel aufgeregtes u doch unausgebildetes liegt. Da habe ich das ganze Jahr zu thun, um nur hie und da ins Klare zu kommen, Meine Gesundheits und die Zeitumstände nicht mit gerechnet. Doch würden mich diese ohne jenes weniger abhalten. Aber ich fürchte mich, wenn man es genau besieht, vor neuen Ein wirkungen und Aufregungen, und entbehre daher mit Willen manchen Genuß. Der Beyfall den unser Theater in Leipzig erhalten macht mir Lust und Muth mich der Sache diesen Winter wieder lebhaft anzunehmen. Wir sind bey dieser Gelegenheit für unser Ausdauern belohnt worden, und wollen mit Zu trauen und Hoffnung auf dem alten Wege fortgehen; und so kann auch die niederträchtigste, detractive Oppo sition, wie wir sie früher von Berlin her erfahren müssen, nichts ausrichten. Auch ist mir Ihre Ausdauer, mein werther Freund, im mer vor Augen. Nur ist freylich zu fürchten daß, wenn Sie nach Italien gehen, der herrliche Bund so vieler Jahre sich auflösen werde. Natürlich und lustig ist es, daß sich Ihre Samenkörner so weit und breit herum und auch an die Theetische disseminirt haben. Schaffen Sie mir doch ja von solchen Gesangweisen: denn diese möchten gerade für unsern Schnabel gerecht seyn. Von dem was ich sonst thue und treibe schweig’ ich und hoffe bald von meinem stillen Fleiße einige Früchte mit theilen zu können. Leben Sie recht wohl und senden mir manchmal auch ein Lied. Auch solcher kleinen Producti onen würde ich jetzt eher genießen können, besonders wenn sSie ein leichtes Accompagnement für die Guitarre dazu setzen wollten, deren ich jetzt mehrere um mich habe. Weimar den 15 September 1807.

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