Brief

An Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra (27. Dezember 1811)

Je unerwarteter mir das angenehme Geschenk von meinem verehrten gFreunde gewesen, desto erfreulicher war es mir. Es kommt gerade zwischen Weihnach ten u Neujahr, um seinen dop pelten Glückwunsch gar anmuthig auszurichten. Diese uralten Denk mäler der Weltveränderung zu einem freundlichen täglichen Gebrauche zu benutzen ist ein Gedanke, des Mannes werth, der sein Leben zugebracht hat, die Naturschätze zum Besten u zur Freude der Men schen zu entdecken, an demn Tag zu bringen u zu verarbeiten. Hofrath Blumenbach, dessen Schreibezeug mit Zubehör aus lauter Naturseltenheiten zusammen gesetzt ist, würde mich um dieses Lineal beneiden, wenn es ihm vor Augen kommen könnte. Ich danke dafür zum allerverbind lichsten; es soll sogleich in mein Reisebesteck aufgenommen werden u mich, wie ich hoffe, gelegentlich wieder nach Freyberg begleiten Daß es mir geluningen ist würde, durch die Schilderung meiner Knaben jahre mich meinem alten Freunde auf eine heitre Weise darzustellen, hatte ich, währender Arbeit, immer gehofft, u es freut mich gar sehr aus meinen stillen Zimmern zu meinen entfernten Lieben hinzu reichen. Ich bin sowohl mit Erinne rung des Ganzen als mit Ausar beitung des Einzelnen ziemlich vorgerückt; doch weiß ich noch nicht, wann die Fortsetzung wird erschei nen können. Ich wünschte nur, daß wir schon wieder in Ilmenau zusammentreäfen: denn ich hoffe die Schilderung jener Zeit soll dir ein Lächeln abgewinnen. Diese Epoche möcht’ ich wohl, statt Dich tung u Wahrheit, Scherz und Ernst überschreiben. Dein und der Deinigen Beyfall muntert mich kräftig auf, u ich wünsche nichts so sehr als bald wieder etwas erwachsener aufzuwarten. Nun will ich noch, anstatt einer Gegengabe (denn mit Freunden muß man nicht immer gleich saldiren) noch eine Bitte hinzufügen, um meine Schuld eher zu vermehren als zu vermin dern In den langen Winterabenden habe ich eine Sammlung von Hand schriften mehr oder weniger bedeu tender älterer u neuerer Männer ges geordnet, u darüber ein Verzeichniß abgefaßt; es liegt hier bey, u gewiß bist du im Falle es um ein ansehnliches zu vermehren, da du mit den vorzüg lichsten Männern deines Faches u deiner Zeit in Verhältniß gestanden Ich bitte mir gelegentlich etwas aus zusondern u mich damit zu er freuen. Solche Denkmale, da so vieles verloren geht, sind höchst er wünscht u auferbaulich, u geben zu mancher gesellschaftlichen Unter haltung Anlaß, wodurch wir die gute Vergangenheit wieder her vorrufen. Jetzt lebe recht wohl, empfiehl mich den werthen Deinigen u habe tausend Dank für das holde Andenken! Weimar den 27 December 1811.

Bezüge im Wissensnetz

Antworten darauf (1)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Wurde abgesendet von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde gesendet an (1)

GZP-Knowledge-Graph

Ist Antwort auf (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde abgesendet aus (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wird angeführt von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Zeitspanne (1)

GZP-Knowledge-Graph

Kategorie (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Brief und Korrespondenz

Teil von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen