Brief

Von Karl Ludwig von Knebel (13. Januar 1796)

K. habe G.s Brief von Jena erhalten [...] Was machst du denn in dem alten Saalathen? - K. habe seine Properzischen Elegien wieder durchgesehen, und eine nach andern Lesearten mit mehreren Zusäzen hergestellt. Wenn sie G. nicht gefallen sollte, so sei er eben über einer andern, welche sich statt jener in die "Horen" einschalten liesse. - Über die französischen Emigranten am Weimarer Hof: Unser politischer Kessel ist [...] noch immer im Halbkochen [...]. Die Spezereyen unserer Ausgewanderten sezen zwar starke Phlogista zu, aber sie thun widrigen Effekt. - Grüsse doch Schillern und seine Frau. Zu Schillers Aufsatz "Die sentimentalischen Dichter" in den "Horen" (1795): So treffend und schön manches darinnen ist, so möchte ich doch bey weitem nicht alle Urtheile genau unterschreiben. So sei "Luise" von J. H. Voß (Ruppert 1183) auf einen viel zu hohen Gipfel gesezt. [...] und was Dichtertalent anbetrift, so möchte ich [...] einige von J. F. W. Zachariäs Heroischkomischen Gedichten lieber geschrieben haben.

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