Normalzeugnis Zeugnis
Tagebuch 26. 8. 1797 (WA III 2, 89)
Gegend Abend ging ich mit Dem. Delf nach der Pläne zu, erst an den Weinbergen hin, dann auf die große Chaussee herunter bis dahin, wo man Rohrbach sehen kann ... Abends besuchten wir Frau von Cathcart und ihre Tochter, zwey sehr gebildete und würdige Personen, die im Elsas und Zweybrücken großen Verlust erlitten; sie empfahl mir ihren Sohn, der gegenwärtig in Jena studirt.
An der table d’hote waren gute Bemerkungen zu machen; eine Gesellschaft österreichischer Officiere, theils von der Armee, theils von der Verpflegung, gewöhnliche Gäste, unterhielten sich heiter und in ihren verschiednen Verhältnissen des Alters und der Grade ganz artig.
Sie lasen in einem Brief, worin einem neuen Eskadron-Chef von einem humoristischen Cameraden und Untergebenen zu seiner neuen Stelle Glück gewünscht wird; unter andern sehr leidlichen Bonmots war mir das eindrücklichste: Officiers und Gemeine gratuliren sich, endlich aus den Klauen der Demoisell Rosine erlöst zu seyn. Andere brachten gelegentlich Eigenheiten und Unerträglichkeiten der Proprietairs zur Sprache aus eigner Erfahrung. Einer fand grüne Chabracken mit rothen Borten bey seiner Eskadron und fand diese Farben ganz abscheulich und befahl in Gefolg dieses Geschmacksurtheils sogleich, daß man rothe Chabracken mit grünen Borten anschaffen solle. Eben so befahl er auch, daß die Officiers Hals- und Hosenschnallen völlig überein tragen sollten, und daß der Oberst alle Monate genau darnach zu sehen habe.
Überhaupt fand ich, daß sie sämmtlich sehr geschickt und mitunter mit Geist und Verwegenheit, mit mehr oder weniger Geschmack, die richtige und comische Seite der Sachen auffanden; doch zuletzt war das Sonderbare, daß ein einziges vernünftiges Wort die ganze Gesellschaft aus der Fassung brachte. Einer erzählte nämlich von dem Einschlagen eines Gewitters und sagte bezüglich auf den alten Aberglauben, daß so ein Haus eben immer abbrenne. Einer von den Freunden, der, wie ich wohl nachher merkte, ein wenig in Naturwissenschaften gepfuscht haben mochte, versetzte sogleich: ja, wenn es nicht gelöscht wird; woran er zwar ganz recht hatte, allein zugleich zu vielem Hin- und Widerreden Anlaß gab, bey dem der ganze Discours in Confusion gerieth, unangenehm wurde und zuletzt sich in ein allgemein Stillschweigen verlohr.
Unter andern skizzirten sie auch einen Charakter, der wohl irgends wo zu brauchen wäre.
Ein Schweigender, allenfalls trocken humoristischer Mensch, der aber, wenn er erzählt und schwört, gewiß eine Lüge sagt, sie aber ohne Zweifel selbst glaubt.
Geschichten vom General W. und seinem Sohne, der im Elsas zuerst zu plündern und zu vexiren anfing, überhaupt von der seltsamen Constitution der Armee, ein Wunsch des Gemeinen nach Krieg, des Officiers nach Frieden.
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