Brief

Von Karl Friedrich Zelter (8. bis 11. November 1815)

Charakterisierung der Schauspielerin A. Düring; bey uns wird eben nicht auf sie gemerkt. - "Des Epimenides Urteil" (von K. Levezow; vgl. RA 6, Nr. 1635) habe Z. noch nicht gesehen. Man nennt das Stück: Ih wie gemeen ist des! - Theaternachrichten: L. Devrient habe gestern mit rauschendem Beyfall in "Die Drillinge" (von C. von Bonin) gespielt. "Unser Verkehr" (von K. A. Sessa) werde ganz lustig gegeben. Die Theaterleute klagten über die neue Direktion; wahrscheinlich sucht Brühl sich von ihnen unabhängig zu machen indem er fremde Schauspieler anhero ruft. Das Lustspiel "Die Brüder" (nach Terenz von F. H. von Einsiedel) sei gut gegeben und heiter aufgenommen worden; erwähnt: der Besuch des russischen Kaisers. - Auf G.s Kunstbetrachtungen ("Über Kunst und Altertum am Rhein und Main") freue sich Z. um so mehr, als er einen verdrießlichen Sommer gehabt habe. Mitteilungen über seine Sommerreise über Dresden nach Teplitz und zurück über Dresden, Leipzig, Halle, Dessau, Wörlitz und Potsdam; erwähnt: eine fertiggestellte Arbeit über den Hexameter und ein angefangenes Tedeum sowie ein Besuch an J. F. Reichardts Grab in Giebichenstein. - Frage, ob G. die Einladung nach Berlin angenommen habe; darin seien die Cäsaren ganz andere Leute: die kommen etwas weiter her, ungerufen; erwähnt: die Anwesenheit Karl Friedrichs und Maria Pawlownas von Sachsen-Weimar in Berlin sowie F. W. Riemer und H. Meyer sowie ein abgewandeltes Zitat aus G.s Gedicht "Offne Tafel". G. möge doch kommen und das bald. - Daß sie am Mayn und Rhein nichts von mir wissen, dürfe Z. nicht wundern, da sein Wirken gleichsam centralisch sei. Klage über den Zustand der öffentlichen Musikpflege. Von Zeit zu Zeit erhalte Z. Briefe, in denen er um Leute gebeten werde, die ihnen Singakademieen und Vereine stiften und einrichten sollen. - Das 1. Heft seiner "Sämtlichen Lieder, Balladen und Romanzen" werde Z., wenn es noch zu haben sei, mit den Rübchen senden; erwähnt: der bankrotte Verleger (A. Kuhn). Die Partitur zu "Johanna Sebus" (Z.s Vertonung) könne G. weggeben, denn sie sei ja in Leipzig gestochen. Ankündigung mehrerer Tischlieder. - Z.s jüngster Sohn Adolf sei nach den letzten Nachrichten aus Paris gesund; zum Schicksal seines Regiments.

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