Brief
Von Friedrich Schiller (20. März 1802)
Freude, daß G. bald wieder hier seyn werde. S. wolle das Mögliche tun, um die Iphigenia zur theatralischen Erscheinung zu bringen. Am Erfolg zweifle er nicht, zumal er Nachricht aus Dresden habe, daß die "Iphigenie" auch dort gespielt werden solle. Über die Bearbeitung des "Don Carlos", mit der er in acht bis zehn Tagen fertig zu sein hofft. S. besteht darauf, die "Jungfrau von Orleans" zuerst in Lauchstädt aufführen zu lassen; er müsse sich das ausbitten, weil sich der Herzog gegen das Stück erklärt habe und weil S. die Rolle der Johanna ursprünglich K. Jagemann angetragen habe; da F. M. Vohs nun die Rolle übernehmen werde, sei es besser, wenn sie zuerst in Lauchstädt und erst danach in Weimar auftrete. S. wolle selbst einige Proben dirigieren. Für seine andern ältern Stücke könne er dieses Jahr nichts mehr tun. Das Theaterensemble komme ohnehin reicher als niemals nach Lauchstädt. Außerdem habe er eine brauchbare neue Uebersetzung von Molières "L'école des femmes" (? von C. Schiller oder K. von Wolzogen) in Verwahrung und ein ihm mitgeteiltes anderes Stück, das nach einem Roman entstanden ist. Vielleicht solle man auch auf S. Mereaus Bearbeitung des "Cid" von Corneille Einfluß zu gewinnen suchen, um sie für das Theater zu verwenden (vgl. RA 4, Nr. 134). - Die Gäste der Mittwochgesellschaft wolle S. einladen. Die Gedichte "Die vier Weltalter" und "An die Freunde" habe S. zur Vertonung an Zelter gegeben (vgl. Zelter "Sammlung kleiner Balladen und Lieder", Hamburg 1802). Hinweis auf eine Melodie C. G. Körners. - Möglicherweise werde er K. von Wolzogen am Montag (22. März) nach Jena begleiten und G. sehen können.
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