Brief

Von Veit Hans Friedrich Schnorr von Carolsfeld (23. März 1800)

S. möchte sich G. näher bekannt machen und beruft sich auf A. A. von Imhoff und Böttiger. Er dankt für alle die Freuden, die er aus G.s Werken seit dem "Werther" empfangen habe. Bei den "Propyläen" sei er selten einer anderen Meynung. Zustimmung zu den Aufsätzen "Neue Art, die Malerei zu lehren" (von W. von Humboldt) und "Über Lehranstalten zugunsten der bildenden Künste" (von J. H. Meyer) in den "Propyläen" III 1. - Von seiner eigenen Lehrzeit bei A. F. Oeser und seiner Überzeugung, daß Schüler ein Vorbild haben sollten. Über die mit seinen Kindern beim Zeichnen gemachten Erfahrungen; er lege etwas bei, das sein Sohn Ludwig Ferdinand im 9. und 11. Jahre gezeichnet habe. - Ausführliche Erörterungen über den beim Zeichnen zu berücksichtigenden Bau des menschlichen Auges und der menschlichen Gliedmaßen. Überlegungen, wie das sehr gute Werk des (in den "Lehranstalten") erwähnten R. Lafage abgewandelt werden könne, und Bitte um G.s Meinungsäußerung darüber. Des weiteren über den Nutzen des Modellierens und die künstlerische Verwendung einer auf Spaziergängen zusammengetragenen Pflanzensammlung. Schließlich sei er gleichfalls der Meinung, daß man Junge Leute nicht mit Anfangsgründen ermüden u. die Lust benehmen müsse. In einem lange zurückliegenden Brief an Graf v. Marcolini habe er von dem großen Einfluß der Kunst auf die Bildung und den Geschmack aller Menschenklassen gesprochen. Der Verkauf schändlicher Zottenvoller [...] Kupferstiche müßte verboten werden. - Beschreibung seiner dießmaligen Ausstellung für Dreßden. Zu den Personen auf seinem Bild "Ausstellung der Leiche Raffaels". Das durch Vasari inspirierte Bild habe J. F. A. Tischbein sehr gefallen, und S. wünsche, es auch G. zeigen zu können. - Für seine verlassenen Kinder habe er wieder eine Mutter und für sich ein gutes Weib gefunden. Wiewohl er nur von dem lebe, was er selbst verdiene, könne er 11. Personen speisen. - Bitte, die Zeichnung seines Sohnes durch Bertuch zurückzuschicken. Den Aufsatz brauch ich nicht.

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