Brief
An Johann Friedrich Rochlitz (22. April 1811)
Durch Demoiselle Longhi von Neapel, eine schöne und treffliche Harfenspielerinn, wünsche ich mein Andenken bey Ihnen, mein Werthester, wieder aufzufrischen, und ich hoffe, es soll mir gelingen. Ich bin überzeugt, Sie werden diesem Frau enzimmer um ihrer selbst und meinetwillen freund lich seyn.
Eigentlich aber bewegt mich nicht sowohl das schöne Talent, das sich wohl selbst empfielt, zu dem ge genwärtigen Schreiben: Das gute Kind ist hier in den bedenklichen Fall gerathen, daß ihre zwey kleinen Finger auf eine rheumatische Weise ge schwollen sind; das Schlimmste wohl, was derjenigen begegnen kann, die sich auf Harfe und Piano forte bis Petersburg zu produciren gedenkt. Ist unser vortrefflicher Kapp, dem ich selbst soviel schuldig geworden bin, in Leipzig; so haben Sie ja die Gefälligkeit, ihn für diese hübsche Italiäne rinn zu interessiren, indem Sie zugleich von mir tausend Empfehlungen ausrichten. Mehr sage ich nicht u brauche es nicht, weil es hier nur einer kurzen Einführung bedarf, u dieser Brief noch spät ge schrieben wird. Möchten Sie durch gegenwärtiges ver anlaßt, mir einmal wieder ein Wort von sich zu vernehmen geben, so würden Sie mir sehr viel Freude machen. Mit den besten Wünschen!
Weimar den 22 April 1811
Goethe
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