Brief
Von Friedrich Theodor David Kräuter (22. Mai 1820)
Zu G.s noch in Jena erteilten Aufträgen: F. Goullon und J. Seidel dankten für die Beweise von G.s menschenfreundlicher Verwendung für den armen Unglücklichen (P. Seidel, nach dessen Einweisung in die Heilanstalt). - K. erwarte täglich F. L. von Sckells "Beiträge zur bildenden Gartenkunst" von F. S. Voigt zurück, um sie K. W. Coudray wieder zuzustellen. - Die Hoffmannsche Buchhandlung sei bereit, eine Subskription auf J. G. Hamanns "Schriften" (hrsg. von F. Roth) durch das "Literarische Wochenblatt" zu eröffnen und danke für den Auftrag. - "Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie" I 2 habe man sogleich an K. L. von Knebel gesandt. - Über die Ereignisse seit G.s Abreise (nach Karlsbad am 23. April): Ausführliche Schilderung des am 2. Mai gefeierten (50jährigen) Dienstjubiläums des zum Schulrat beförderten J. G. S. Schwabe; dabei erwähnt: G. "Mich ergreift, ich weiß nicht wie ..." ("Tischlied", vorgetragen von H. Stromeyer), F. von Müllers Toast auf G., Toasts auf das großherzogliche Haus von C. W. Schweitzer, auf Schwabe und seine Familie von P. C. Weyland, Toasts von F. Peucer, K. J. R. Ridel und F. J. Bertuch u. a. auf Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. Weiter erwähnt: F. H. von Einsiedel als zweiter Jubelgreis (50jähriges Dienstjubiläum), J. G. Zunkel und das von K. Eberwein vertonte Gedicht F. Schmidts "Was dem Aare sind die Flügel ...", ebenfalls von Stromeyer vorgetragen. Über das im Theater gefeierte (50jährige) Jubiläum von H. Beck; erwähnt: die Aufführung von "Das Räuschgen" (von C. F. Bretzner) und die Geschenke von Großherzog Karl August und Erbgroßherzogin Maria Pawlowna. - H. W. Brandes' "Untersuchungen über den mittleren Gang der Wärmeänderungen durchs ganze Jahr" sei Karl August sauber gebunden übergeben worden. Dieser lasse alle in der Weimarer Bibliothek geführten Witterungstabellen zusammenstellen, um sie nach Breslau (an Brandes) zu schicken. J. G. Müller habe in diesen Tagen auch V. Denons "Voyage dans la basse et la haute Egypte", zwei Bände, sehr gut gebunden abgeliefert; es sei ein Schaustück für Fremde aller Art. - Großherzog Karl August wolle sämtliche Werke von N. J. und J. F. von Jacquin komplettieren; noch fehle z. B. N. J. von Jacquins "Florae austriacae". - Nachrichten aus Weimar und Umgebung: F. Reichert habe wegen Zahlungsunfähigkeit Weimar verlassen müssen; erwähnt: dessen Vater. Die beiden (C. und F. H.) Müller hätten in Leipzig gute Geschäfte gemacht. Über den plötzlichen Tod von X. B. Predari (am 20. April); erwähnt: dessen Frau, Tochter des verstorbenen H. Rentsch. Weiter über häufige Brände in den Dörfern um Weimar während der letzten drei Wochen. K. Lieber und K. Holdermann befaßten sich mit der Herausgabe landschaftlicher Abbildungen von Weimars Umgebung. Über das Auftreten von Tollwut; erwähnt: L. F. von Froriep, J. A. Ritzer, der Tod von dessen zehnjährigem Sohn, J. C. Stark d. J. und die Anteilnahme der höchsten Herrschaften. - Zu einem Ausflug nach Jena: In der Bibliothek sei K. mit E. A. Baum, D. Compter, dem ämßig arbeitenden Tischer (? A. Werner) und C. Römhildt zusammengetroffen, habe G. G. Güldenapfel und E. Weller leider verfehlt; im botanischen Garten Begegnung mit F. Baumann und in den Museen mit M. Färber und F. Körner. Änderungsvorschläge zu laufenden Arbeiten in der Bibliothek. - Zum problematischen Sandstein, den J. C. Sachse in seiner Biographie ("Der deutsche Gil Blas, eingeführt von Goethe") erwähne: Zitat von Auszügen aus J. C. Stübners "Denkwürdigkeiten des Fürstentums Blankenburg".
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