Brief
An Johann Georg Jacobi (1. Dezember 1774)
Mein lieber Canonikus, heut empfang ich die Iris von Friz, einige Blicke die ich hineinthue, wecken in mir das Gefühl vergangner Zeiten, und zugleich die Erinnerung einiger Lieder die es begleiteten. Ich nehme mir vor sie Ihnen zu schicken, und da ich heut nach Tische zur lieben Tante komme, die den Einfall auch gut, und was ich ihr vorsage zum tone Ihrer Sammlung passend findet, sez ich mich gleich zu ihr hin, und schreibe das aus dem Gedächtniss auf was Sie hier mit erhalten. Können Sie's brauchen; so sezen Sie verschiedne Buchstaben drunter, sagen niemand was davon, so haben die H u Damen was zu rathen.
Leben Sie wohl. Vergessen Sie der guten Stunden nicht die uns im Kreise von Düsseldorf nach Cöln führten. Frizen erwarten wir gegen Ende des Jahrs. Sie könnten auch wohl einmal versuchen wie sich's auf reichsstädtischem Sande sitzzt. Tante grüsst. d. 1 Dezember 1774. Franckfurt.
Goethe.
Interpuncktiren Sie doch die Liedgen, wies dem Leser am vorteilhaftesten ist.
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