Brief

Von Luise Antoinette Charlotte von Schiller (18. Juni 1810)

Ich hatte gestern die Beruhigung durch Prinz Bernhard u. Herrn von Rühle, zu hören, daß Sie [...] wohl wären. Herzliche Wünsche zu G.s Aufenthalt in Karlsbad. - Die neuen Heiligen die Sie uns schenken werden ("Wilhelm Meisters Wanderjahre"), sind im voraus schon unsere Freundinnen. Sie vergleiche G. mit niemand, nehme aber seine Ansichten zum Maasstab, so auch bei Arnims "Armut, Reichtum... der Gräfin Dolores" (Berlin 1810): Über dessen Frische und Lieblichkeit in einzelnen Schilderungen und zugleich seine Zartheit, [...] Unnatur u. Derbheit bei seinen Frauengestalten. Es sind die Nachklänge seines eignen Herzens, man sieht von Sophie Mereau an, alles was sein Herz berührt hat [...]. - C. G. Körners Plan, Schillers Werke herauszugeben, billige sie sehr ("Sämtliche Werke", Tübingen 1812 ff.). Falls dieser u. zumahl die Frauen (dabei: D. Stoek) den Vorwurf erheben sollten, daß S. ihnen Manuskripte Schillers vorenthielte, möge G. sie verteidigen. Hinweis auf Schillers Gewohnheit, unautorisierte Texte zu vernichten. Alles aus den vorlesungen was Schiller für mittheilenswerth hielt, ist auch in seinen vermischten Schriften schon gedruckt. Dies habe ich Körner auch geschrieben. - S. habe Christiane besuchen wollen, sie aber nicht angetroffen; erwähnt: S.s Tochter Karoline, der Tanzmeister C. Laenger. - Über den Besuch A. von Helvigs mit zwey Schwestern u. drey Kindern. Der Bräutigam der 2. Schwester sei ein schwedischer Kaufmann, der De Kon (Ron) heisst. Prinzessin Maria sei sehr krank. Deren Mutter sei in Jena und wohne dort im ehemaligen Haus von Knebel. Bedauern über die Trennung von Prinzessin Karoline: Unsre schönen Dienstage! unsre Mittwoche! S.s Sohn Karl sei nach Tübingen abgereist. Sie fühle sich einsam und wünschte, er würde dem Beispiel seines aeltern Freundes August und dessen gesunden, rein ausgebildeten Ansichten folgen. Ernst sei eine so stille Natur, daß er ganz ruhig neben einem fortlebt. - Heute wolle sie im Theater Z. Werners "Vierundzwanzigsten Februar" besuchen. - Sie sehne sich nach G.s vollendeter "Farbenlehre" (Tübingen 1810), die Cotta ihr schicken wolle. Das Werk scheine bereits hier zu sein, denn Herr Falck belehrt die Damen seines Kreise daraus. - Mitteilungen über ihre Schwester K. von Wolzogen, die ihren Sohn Adolf nach Yverdun bringen wolle, und C. von Stein. Grüße an Riemer. Ferner erwähnt: S.s Kinder.

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