Normalzeugnis Zeugnis
An Schiller 8. 7. 1795 (WA IV 10, 276)
Die Gesellschaft ist zahlreich und gut, man beklagt sich, wie immer, über den Mangel an Harmonie und jeder lebt auf seine Weise. Ich habe nur gesehen und geschwätzt, was sonst werden und gedeihen wird muß abgewartet werden ...
Als berühmter Schriftsteller bin ich übrigens recht gut aufgenommen worden, wobey es doch nicht an Demüthigungen gefehlt hat. Z. B. sagte mir ein allerliebstes Weibchen: sie habe meine letzten Schriften mit dem größten Vergnügen gelesen, besonders habe sie Giaffar der Barmecide über alle Maaßen interessirt. Sie können dencken daß ich mit der größten Bescheidenheit mich in Freund Klingers hinterlaßne arabische Garderobe einhüllte und so meiner Gönnerinn in dem vortheilhaftesten Lichte erschien. Und ich darf nicht fürchten daß sie in diesen drey Wochen aus ihrem Irrthume gerissen wird.
Die vielen Menschen, unter denen sehr interessante sind, lerne ich nach und nach kennen und werde Ihnen manches zu erzählen haben.
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