Normalzeugnis Zeugnis
Kardinal Franz Graf zu Herzan an W. A. Fürst Kaunitz 3. 3. 1787 (Brunner1 S. 151)
Herr Göthe hat sich 2 Monate hier aufgehalten: er trachtete unbekannt zu bleiben und änderte deßwegen seinen Namen in jenen Müller, unter welcher Aufschrift auch seine Briefe an ihn gekommen. Er soll wenige Gesellschaften besuchet haben, einige Male war er bei dem jungen Fürsten von Lichtenstein, und mein deutscher Sekretär, welcher in einem Gasthofe mit ihm bekannt geworden, sagte mir, daß er vermuthe, seine Absicht sey, eine Reise-Beschreibung zu machen und daß er ihm einige Stücke aus seinem Tagebuche vorgelesen, wo er über die Inquisition, die gegenwärtige Regierung und das große Elend Roms sehr scharfe und bissige Anmerkungen macht. Er wohnte hier bei dem deutschen Maler Tischbein und mit eben diesem ist er nach Neapel gereiset. Ich habe meinen Sekretär, auf dessen Rechtschaffenheit ich mich verlassen kann, aufgetragen, daß er bei seiner Zurückkunft, die wahrscheinlich bald erfolgen dürfte, sich mit jenen in einen näheren Umgang setzen soll, um hiedurch im Stande zu seyn, mit Sicherheit ein wachsames Auge auf seine Aufführung und allfällig geheime Absicht tragen zu können, wo sonach Ew. Libden das, was immer zu meiner Kenntniß gelangen wird, unverweilt zu berichten die Ehre haben werde.
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