Normalzeugnis Zeugnis

J. Voigt nach Akten des STA Weimar (J. Voigt S. 237)

Am folgenden Tag fand zuerst eine Befahrung des Stollens und Schachtes statt, an der verschiedene Deputierte, nicht aber die Mitglieder der Kommission teilnahmen, dann vereinigte man sich wieder im Amtshause zu neuer Beratung. Da infolge der ungünstigen Jahreszeit ein großer Teil der Gewerken nicht in der Lage gewesen war, den Tag zu beschicken, da ferner auch die anwesenden Deputierten Bedenken trugen, in dieser mißlichen Lage des Bergwerks Entscheidungen zu treffen, ohne sich vorher nochmals mit ihren Auftraggebern besprochen zu haben, schlug die Kommission vor, die Zusammenkunft nur präparatorisch, nicht concludierend sein zu lassen. Der Erfolg des Gewerkentages werde darin bestehen, „daß man die geschehenen Propositionen, die Winter Monathe hindurch, ... prüfe, und zu dem Ende auch mit den übrigen Herrn Gewerken communicire, sodann aber auf Ostern eine anderweite Zusammenkunft halte, und sich alsdenn überall decidire, was ferner geschehen ... solle“. Außerdem aber stellte die Kommission einen wichtigen Antrag, von dem sie sich großen Nutzen ebenso für die Gewerkschaft wie für das Ilmenauer Werk selbst versprach. Sie schlug nämlich vor, „daß sie sich enger verbinde, um von der Verwaltung eines von ihr gestifteten und auszuführenden wichtigen Werks weniger entfernt zu seyn. Hierzu werde dienen, wenn künftig jährlich zu einer bequemen Zeit festzusetzende Gewerkentäge gehalten, und solche durch gewisse Deputirte, denen sämtliche Gewerken ihre bestimmten Vollmachten ertheilten, beschickt, und dadurch alles das, was die Vortheile der Gewerkschaft mit sich brächten, beurtheilt und beschlossen würde.“ Die Deputierten nahmen den Vorschlag mit großer Befriedigung auf. Bertuch erbot sich, die jetzt besprochenen Vorschläge in ein Pro Memoria zu fassen und der Kommission zur Genehmigung und weiteren Veranlassung zu überreichen. Die Kommission selbst sollte daraufhin ein Formular zur Vollmacht, die ein jeder Gewerke seinem Deputierten auszustellen habe, entwerfen. Als Tag für die nächste Zusammenkunft wurde auf Wunsch der Abgeordneten der Montag nach Ostern (24. April) 1794, für die späteren Gewerkentage stets der Montag nach Johannis in Aussicht genommen. Bis zur nächsten Zusammenkunft sollte das Werk im gegenwärtigen Zustand erhalten bleiben und die Zwischenzeit dazu benutzt werden, die in Vorschlag gebrachten Pläne, von denen besonders der Gedanke der Absenkung eines neuen Schachtes ... beachtenswert gefunden worden war, durch Kunstverständige prüfen und vorläufige Risse und Anschläge dazu entwerfen zu lassen. Zum Schluß statteten sämtliche Deputierte der Kommission „für die Vorsorge und Bemühung, besonders aber für die der Gewerkschaft durch die veranlaßte nähere Verbindung sich eröffnende nähere Kenntniß und darauf gegründete Berathung des Werks“ verbindlichen Dank ab und versprachen, „ihres Theils, der vorgewesenen Deliberation gemäß, zum Besten der Sache möglichst mitzuwirken“.

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