Tagebucheintrag
Reisetagebuch Italien 1786, 18. Oktober 1786
d. 18. Bologna. Abends.
Ich habe eben einen Entschluß gefaßt der mich sehr beruhigt.Ich will nur durch Florenz durchgehn und grade auf Rom. Ichhabe keinen Genuß an nichts, biß jenes erste Bedürfniß gestilltist, gestern in Cento, heute hier, ich eile nur gleichsam ängstlich vorbey daß mir die Zeit verstreichen möge, und dann mögt ich, wenn es des Himmels Wille ist zu Allerheiligen in Rom seyn umdas grose Fest am rechten Orte zu sehn und also einige Tagevoraus, da bleibt mir nichts übrig als ich muß Florenz liegenlaßen und es auf einer frohen Rückreise mit geöffneten Augen sehn.
Auch hier in Bologna müßte man sich lange aufhalten.
Siehe nunmehr Volckmanns ersten Theil, von pag. 375 biß. 443.
p. 402. Madonna di Galiera. Sakristey treffliche Sachen.
p. 403. Giesu e Maria, die Beschneidung von Guercin. Dieser unleidliche Gegenstand, ganz trefflich ausgeführt. Ein Bild, wasman sich dencken kann gemahlt. Es ist alles daran respecktabel,und ausgeführt ist es als ob es Emaille wäre.
425. Pall. Tanari. Der Kopf der Maria als wenn ihn ein Gottgemahlt hätte. Der Ausdruck ist unbeschreiblich mit dem sie auf das säugende Kind herunter sieht. Mir drückts eine stille tiefeDuldung als wenn sie das Kind, nicht das Kind der Liebe undFreude sondern einen untergeschobnen himmlischen Wechselbalgnur so an sich saugen ließe, weil es nun einmal so ist undsie in tiefer Demuth gar nicht begreift wie sie dazu kommt.
An der übrigen herrlichen Figur ist wenig Genuß das ungeheureGewand, so herrlich es gemahlt ist bleibt doch nur Gewand.Auch sind die Farben dunckler Geworden, das Zimmer ist nichtdas hellste und es war ein trüber Tag.
p. 387. Ich war im Institute. Davon will ich dir nichts sagen. Es ist eine schöne edle Anlage, aber wir Deutschen so ultramontan wir sind, sind doch in unsern Sammlungen, Akademien, Lehrartenpp weiter vorgerückt. Doch will ich ihm gerne Gerechtigkeitwiederfahren laßen, daß es viel ist in Einem Hause das allesaufzuweisen und zum allgemeinen Nutzen bereit zu finden.
Heute früh hatt ich das Glück von Cento herüberfahrend, zwischenSchlaf und Wachen den Plan zur Iphigenie auf Delphos rein zu finden. Es giebt einen fünften Ackt und eine Wiedererkennung dergleichen nicht viel sollen aufzuweisenseyn. Ich habe selbst drüber geweint wie ein Kind und an der Behandlung soll man hoff ich das Tramontane erkennen.
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