Normalzeugnis Zeugnis

Dichtung und Wahrheit XIII (WA I 28, 189)

Indem ich nun alles was von Talent, Liebhaberei oder sonst irgend einer Neigung in mir leben mochte, auszubilden, zu nähren und zu unterhalten suchte, verwendete ich eine gute Zeit des Tages, nach dem Wunsch meines Vaters, auf die Advocatur, zu deren Ausübung ich zufälliger Weise die beste Gelegenheit fand. Nach dem Tode des Großvaters war mein Oheim Textor in den Rath gekommen, und übergab mir die kleineren Sachen, denen ich gewachsen war; welches die Gebrüder Schlosser auch thaten. Ich machte mich mit den Acten bekannt, mein Vater las sie ebenfalls mit vielem Vergnügen, da er sich, durch Veranlassung des Sohns, wieder in einer Thätigkeit sah, die er lange entbehrt hatte. Wir besprachen uns darüber, und mit großer Leichtigkeit machte ich alsdann die nöthigen Aufsätze. Wir hatten einen trefflichen Copisten zur Hand, auf den man sich zugleich wegen aller Canzleiförmlichkeiten verlassen konnte: und so war mir dieses Geschäft eine um so angenehmere Unterhaltung, als es mich dem Vater näher brachte, der mit meinem Benehmen in diesem Puncte völlig zufrieden, allem Übrigen was ich trieb, gerne nachsah, in der sehnlichen Erwartung, daß ich nun bald auch schriftstellerischen Ruhm einernten würde.

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