Amtliches Schreiben Brief
An Christian August Vulpius (15. Februar 1799)
Sie erhalten hierbey drey Aufsätze sub A. B. und C., welche Sie dem Herrn Geheimde Rath Voigt vorlegen und weitere Verhaltungsbefehle sich erbitten werden.
Ad A. Geben Sie mir sogleich Nachricht: ob das Packet von Ostern 1798 angekommen und ob Professor Mereau für dieses und alle vorhergehende quittirt ist?
Ferner ob das Packet durchgesehen und ob etwa irgend ein Buch in Absicht auf Bogen oder Kupfer defect ist?
Ad B. Melden Sie mir, wie weit es mit dem Druck des Catalogen gekommen ist, und schicken Sie mir die Aushängebogen sobald als möglich.
Wegen der Aufnahme fremder Bücher in unsere Auktion tragen Sie das, was Ihnen allenfalls noch beygeht, Herrn Geheimde Rath Voigt vor und melden mir gleichfalls das Nöthige.
Ad C. Die Absendung des Geldes nach Leipzig muß Montags geschehen.
Senden Sie mir einen Auszug der Bücher, welche die Herren Professoren Paulus und Woltmann restiren und legen gegenwärtigen Brief nebst den Aufsätzen Herrn Geheimde Rath Voigt vor.
Jena, am 15. Februar 1799
Goethe
Beilagen
A
Herr Professor Mereau gab mir, wegen der hier gedruckten und an die Weimarische Bibliothek einzusendenden Bücher, folgende Auskunft: die hiesigen Buchdrucker sind von allem, was sie drucken, schuldig sechs Exemplare in die Hände des Academischen Bibliothecarii zu liefern, welcher solche an die resp. Höfe zu versenden hat. Nach dem Tode des Hofr. Müller, der mehrere Packete liegen lassen, hat Prof. Mereau die Einrichtung gemacht, daß wenigstens vor jeder folgenden Messe die Bücher der vorhergehenden abgesendet werden. Daß dieses nicht gleich nach jeder Messe geschehe, entschuldigt er damit, daß er Ursache habe, die Buchdrucker einigermaßen im guten zu erhalten, indem er durch ihre Gefälligkeit, wenn sich Kupfer bey den Büchern befinden, sie – obschon nicht allemal – doch manchmal erhalte. Auch fehle es ihm an einem hinlänglichen Mittel, sie zu ihrer Schuldigkeit zu nöthigen. Nun stehe aber diesmal auch noch das Packet von Ostern 1798 zurück und sey noch nicht nach Weimar eingesendet, weshalb er um Verzeihung bitten müsse. Es liege hiervon die Schuld an dem Bibliothekdiener oder sogenannten Bibliothekschreiber. Er selbst habe geglaubt, daß das Packet schon lange abgegangen sey. Der Bibliothekschreiber sey ein sehr armer Mann und man habe ihm von Gotha aus erlaubt, sich, wenn er das Packet auf die hiesige Post bringt, für das Einpacken und andre Bemühung einen halben Laubthaler zahlen zu lassen, eine Auslage, die alsdann fürstl. gothaischer Cammer zugerechnet wird. Prof. Mereau wünschet von unserer Seite für ihn auch eine solche Aufmunterung. Da es nun von der größten Bedeutung ist, daß wir künftig mit dieser jenaischen Bücherabgabe in Ordnung kommen, so möchte wohl dem Manne ein solches Douceur, entweder auf dem Wege, wie es von Gotha geschieht, oder aus unserer Bibliothekscasse zu gönnen seyn. Gegenwärtig wäre Herr Rath Spilker zu erinnern, daß er ungesäumt Herrn Prof. Mereau wegen der ergangenen Sendungen quittire; da solches nur im allgemeinen zu geschehen braucht, so kann solches sogleich geschehen, und ich erwarte, daß es noch bey meinem Hierseyn bewirkt wird.
Zur Nachricht will ich noch folgendes hersetzen: Als ich fragte, ob man denn eine Controlle habe, wodurch man gewiß seyn könne, daß man alle Bücher, die in Jena gedruckt werden, erhalte? versetzte Prof. Mereau: die Controlle solle eigentlich darinnen bestehen, daß der Censor von jeder Facultät sich ein Register der Bücher halte, die er censirt habe; er, Prof. Mereau, gebe das Verzeichniß, das er nach der Messe an die Höfe schicke, auch an die Academie; dieses sollte nun bey den Censoren zirkuliren, von ihnen attestirt werden und alsdann wieder in die Hände des Bibliothecarii zurückkehren, damit er sich dabey beruhigen oder, wenn Bücher fehlten, sie von den Buchdruckern nachfordern könnte. Allein ein solches Verzeichniß sey niemals wieder bis zu ihm gekommen.
Ohne dieses weiter zu urgiren, bemerke ich nur vorläufig die künftig bey unserer Bibliotheks-Expedition zu beobachtende Pflicht: Wenn künftig ein solches Packet ankommt, so muß solches sogleich aufgemacht und durchgesehen werden, ob die Exemplare complet sind und ob etwa Kupfer fehlen. Im letzten Falle muß man auf Wege denken, dieselben zu erhalten. Auch sieht man, daß künftig aus den Meßkatalogen keine Bücher auszuwählen sind, bis gedachtes Packet angekommen ist, damit man nicht, wie bisher geschehen, die Bücher doppelt anschaffe.
Jena, am 15. Februar 1799
G
B
Es hat der Hofkantor Rudolph um die Erlaubniß gebeten, 200 Stück Bücher mit in die vorseyende Auction zu geben, Herr Hofrath Schiller wünscht das gleiche für etwa 120 und ich gäbe vielleicht auch einige dazu.
Da nun die Auction wohl vortheilhafter wird, indem das Interesse an derselben durch Vermehrung der Büchermasse zunimmt, so wären meo voto die gedachten fremden Bücher wohl aufzunehmen, doch müßte jeder Theil das fertige Verzeichniß der Bücher mit einschicken und zu dem Druck des Catalogen seine Ratam beytragen.
Da aber demohngeachtet unsern Bibliotheksverwandten noch dabey manche Mühe zugeht, so wäre ihnen wohl ein gewisser pro Cent von der künftigen Einnahme zuzubilligen.
Jena, am 15. Februar 1799
G
C
Die wenigen Bücher, welche man aus Leipzig erhalten, sind um leidlichen Preis erstanden. Das Geld wäre sogleich an Herrn Thiele zu übermachen.
Herr Geheimde Rath Voigt haben ja wohl die Güte, auf beykommenden Catalog einen Blick zu werfen und wenn etwas für die Bibliothek wünschenswertes sich dabey befinden sollte, dessen Anschaffung zu befehlen.
Jena, am 15. Februar 1799
G
Bezüge im Wissensnetz
Antworten darauf (2)
GZP-Knowledge-GraphIst Antwort auf (2)
GZP-Knowledge-GraphHat Sprache (1)
GZP-Knowledge-Graph- Deutsch
Wurde abgesendet von (1)
GZP-Knowledge-GraphWurde gesendet an (1)
GZP-Knowledge-GraphWurde abgesendet aus (1)
GZP-Knowledge-GraphHat Zeitspanne (1)
GZP-Knowledge-GraphKategorie (1)
GZP-Knowledge-Graph- Brief und Korrespondenz