Brief
Von Johann Heinrich Meyer (5. Juli 1796)
M. bestätigt den Empfang von G.s Brief vom 13. Juni und erörtert die politische Lage in Italien. - Er erwäge, Raffaels "Madonna della Sedia" zu kopieren, ein Werk, das eine Sammlung der schönsten zartesten Menschlichsten Gefühle darstelle. Einige Fresken in der Servitenkirche Santissima Annunziata von A. del Sarto seien im Geist der Wahrheit & der Einfalt gedacht und denen Raffaels an Wert fast gleichzusetzen. Besondere Bewunderung für die in der Kapelle Brancacci der Kirche St. Maria del Carmine vorhandenen Fresken von Masaccio, der Empirisch jetz das macht was das Nachdencken & die Forschung von 3. 4. oder mehr Generationen beschäftigen wird. Auf der Gallerie (Uffizien) habe er ein weibliches Bildnis von Raffael (? "Dame im grünen Kleid"), eine Statue der Viktoria und mehrere Bilder von Tizian gesehen. Trotz bisherigen Bevorzugens von Kunstbetrachtungen in Florenz habe M. einen Entwurf zu einem Gemälde Juno und Minerva ausgeführt. Ankündigung der Beschreibung von den Zimmern der Prinzeßin Altieri (vgl. RA 2, Nr. 213 und M.s Aufsatz "Neueste Zimmerverzierung in Rom", in: "Horen" 1796). - Ausführliche Nachricht über den Aufenthalt und das Ergehen der beiden Brüder Coudenhove in Italien. - Trotz Ungewißheit über die politische Lage hoffe M., daß G. im Herbst nach Italien kommen könne. Die Liebe zur Freiheit und Republik sei bei den Italienern in den letzten Wochen zurückgegangen.
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