Normalzeugnis Zeugnis

Italienische Reise. 27. 5. 1787 (WA I 31, 249)

Ich fand eine liebenswürdige Dame Aloysia v. Lanthieri?, mit der ich vorigen Sommer in Carlsbad die angenehmsten Tage verlebt hatte. Um wie manche Stunde betrogen wir die Gegenwart in heiterster Erinnerung. Alle die Lieben und Werthen kamen wieder an die Reihe, vor allem der heitere Humor unseres theuren Fürsten. Sie besaß das Gedicht noch, womit ihn bei seinem Wegritt die Mädchen von Engelhaus überraschten. Es rief die lustigen Scenen alle zurück, die witzigen Neckereien und Mystificationen, die geistreichen Versuche, das Vergeltungsrecht an einander auszuüben. Schnell fühlten wir uns auf deutschem Boden in der besten deutschen Gesellschaft, eingeschränkt von Felswänden, durch ein seltsames Local zusammen gehalten, mehr noch durch Hochachtung, Freundschaft und Neigung vereinigt. Sobald wir jedoch an’s Fenster traten, rauschte der neapolitanische Strom wieder so gewaltsam an uns vorbei, daß jene friedlichen Erinnerungen nicht festzuhalten waren. Der Bekanntschaft des Herzogs und der Herzogin von Ursel konnt’ ich eben so wenig ausweichen. Treffliche Personen von hohen Sitten, reinem Natur- und Menschensinn, entschiedener Kunstliebe, Wohlwollen für Begegnende. Eine fortgesetzte und wiederholte Unterhaltung war höchst anziehend. Hamilton und seine Schöne setzten gegen mich ihre Freundlichkeit fort. Ich speis’te bei ihnen, und gegen Abend producirte Miß Harte auch ihre musikalischen und melischen Talente. Auf Antrieb Freund Hackerts, der sein Wohlwollen gegen mich steigert und mir alles Merkwürdige zur Kenntniß bringen möchte, führte uns Hamilton in sein geheimes Kunst- und Gerümpelgewölbe. Da sieht es denn ganz verwirrt aus; die Producte aller Epochen zufällig durch einander gestellt: Büsten, Torse, Vasen, Bronze, von sicilianischen Achaten allerlei Hauszierrath, sogar ein Capellchen, Geschnitztes, Gemahltes und was er nur zufällig zusammenkaufte. In einem langen Kasten an der Erde, dessen aufgebrochenen Deckel ich neugierig bei Seite schob, lagen zwei ganz herrliche Candelaber von Bronze. Mit einem Wink machte ich Hackerten aufmerksam und lispelte ihm die Frage zu: ob diese nicht ganz denen in Portici ähnlich seien? Er winkte mir dagegen Stillschweigen; sie mochten sich freilich aus den Pompejischen Grüften seitwärts hieher verloren haben. Wegen solcher und ähnlicher glücklicher Erwerbnisse mag der Ritter diese verborgenen Schätze nur wohl seinen vertrautesten Freunden sehen lassen.

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