Brief
Von Pius Alexander Wolff (27. Juni 1816)
W. habe vor seiner und seiner Frau Abreise zweimal vergeblich versucht, bei G. vorgelassen zu werden. Nehmen Sie jetzt [...] den glühendsten Dank von Ihren Schülern gnädig auf. Was wir sind, wir sind es durch Sie! Ein Wort von Ihnen hätte uns in Weimar gehalten, Sie wollten es nicht aussprechen [...]; dabei Zitat nach G.s "Tasso": In der Ferne zeigt sich alles reiner [...]. - Über W.s und A. Wolffs Aufnahme in Berlin werde K. F. Zelter Nachricht gegeben haben (vgl. bes. RA 7, Nr. 211); A. Wolff habe bei der ersten Vorstellung (als Phädra in Schillers gleichnamiger Tragödie nach Racine) mit einer Kabale zu kämpfen, die sie bei der zweiten aber vollkommen besiegte (als Iphigenie). Bericht über W.s erfolgreiche Neueinstudierungen von G.s "Tasso" mit A. Wolff als Prinzessin und Shakespeares "Romeo und Julia"; erwähnt: A. W. Ifflands Beschränktheit, W.s bevorstehende Reise nach Pyrmont und die dann folgenden Einstudierungen von G.s "Egmont" und "Götz von Berlichingen". - Über einen schönen Abend bei Fürst A. Radziwill, wo der Faust gelesen wurde von seiner Musik begleitet; erwähnt: Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz, der im Wechsel mit W. den Wagner und Mephistofeles gelesen habe. Radziwill wünsche das Stück scenenweise auf die Bühne zu bringen und wolle zu diesem Behuf ein kleines Theater in seinem Hotel bauen lassen. Bitte um G.s Zeichnungen zur 1. Szene, bei deren Entstehung W. zum Teil gegenwärtig gewesen sei, und um hilfreiche Andeutungen; dabei Erinnerung an G.s damalige Absicht, daß bei dem Erscheinen des Geistes alles Geräthe in Fausts Zimmer, oder vielmehr die Zeichen darauf transparent sein sollten. - Von der Giustinianischen Gallerie werde Zelter besser erzählen (vgl. RA 7, Nr. 274); erwähnt: eine große Landschaft von H. van Swanevelt und der Michelangelo zugeschriebene Ganimed, wovon W. den Kupferstich (von N. Beatrizet oder Q. Boel) oft bei G. gesehen habe. - Angebot, aus Berlin zu berichten, besonders über die Leistungen des Theaters. Leipzig erhalte ein stehendes Theater; W. sei die Regie angeboten worden, bleibe aber in Berlin. Nun erfahre er, daß K. und C. Unzelmann sich dort hätten anbiethen lassen. - E. Engels habe bisher regelmäßig über G.s Befinden und die Vorgänge in seinem Hause berichtet. Hoffnung, G. künftigen Herbst hier zu sehen; Angebot, Aufträge zu übernehmen.
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- Buonarroti, Michelangelo
- Shakespeare, William
- Racine, Jean Baptiste
- Swanevelt, Herman van
- Iffland, August Wilhelm
- Friedrich Schiller
- Carl Friedrich Zelter
- Unzelmann, Karl August Friedrich Wilhelm Wolfgang
- Wolff, Anna Amalia Christiane
- Radziwill, Anton Heinrich Fürst
- Engels, Ernestine Karolina Wilhelmina
- Unzelmann, Antonie Luise Christiane geb. Naumann
- Mecklenburg-Strelitz, Karl Friedrich August Prinz von
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