Brief
Von Friedrich Schiller (7. Januar 1795)
Das 2. Buch von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" habe mit der durchgängig darinn erscheinenden ruhigen Klarheit, Glätte und Durchsichtigkeit bei S. ein Gefühl hervorgerufen, das er nicht besser als durch eine süße und innige Behaglichkeit, durch ein Gefühl geistiger und leiblicher Gesundheit ausdrücken könne. Ein Produkt dieser Art lasse S. peinlich empfinden, wie sehr das philosophische Wesen [...] rigid und abstrakt, und so höchst unnatürlich sei, weil alle Natur nur Synthesis und alle Philosophie Antithesis ist. Erörterungen über seinen eigenen Standort und über den unendlichen Abstand zwischen dem Leben und dem Raisonnement. / Soweit ist indeß gewiß, der Dichter ist der einzige wahre Mensch, und der beßte Philosoph ist nur eine Carricatur gegen ihn. S. sei voll Erwartung zu wissen, was G. zu seiner Metaphysik des Schönen sage. Vorfreude auf G.s und J. H. Meyers Anwesenheit in Jena und Hoffnung, dann G.s Epigramme hören zu können.
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