Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (26. Dezember 1825)

B. habe vorgestern die lithographischen Blätter (aus der "Sammlung Alt-, Nieder- und Oberdeutscher Gemälde der Brüder ... Boisserée und Johann Bertram. Lithographiert von N. Strixner", vgl. Ruppert 2183) in einem Kistchen abgesandt. Es enthalte den auferstandenen Christus nach H. Memling als Ergänzung zur 13. Lieferung, von der G. bereits die beiden Blätter nach Dürer besitze (vgl. RA 10, Nr. 1076 und RA 10, Nr. 1077), weiter die 14. Lieferung sowie auch den Christus-Kopf (Christus als König von Memling nach J. van Eyck), der zur 15. Lieferung gehören werde (vgl. H. Meyers Rezension "Steindruck. Stuttgart", in: "Über Kunst und Altertum" V 3). Zudem enthalte die Sendung die 13. und 14. Lieferung für Großherzog Karl August und Blätter für J. Schopenhauer. - Ausführliche Beschreibung der Lithographie mit dem Christuskopf, Vergleich mit dem Original und Deutung der Inschriften am Gewand Christi; erwähnt: König David. - Zu G.s Jubelfest (50-jähriges Dienstjubiläum am 7. November) habe B. im Geist und im Herzen treulich mitgefeiert, jedoch habe er ohne persönliche Gegenwart nicht gratulieren wollen, da ihm nur das frische lebendige Wort und Ausdruck angemessen schiene. - Über die Zukunft der B.schen Gemäldesammlung: entweder Ankauf durch die Württembergische Regierung, oder, da der nun nicht mehr zweifelhafte Frankfurter Prozeß (um die Erbschaft von J. F. Städel) beendet sei, Erwerb durch die Städelsche Stiftung; erwähnt: König Wilhem I. von Württemberg. - Zu den Verhandlungen mit J. F. von Cotta über G.s Ausgabe letzter Hand ("Werke" C1): B. bedauere G.s Unentschiedenheit über die HauptBedingungen, die er nach den Briefen (vgl. A. von Goethe und G. an Cotta, 1825 November 20 und 1825 Dezember 21, WA IV 40, Nr. 127 und 40, Nr. 163) und Cottas Bestätigung des von G. projectirten Vertrages (vgl. Cotta, Nr. 499) bereits als abgeschlossen angesehen habe. Was den Honorarvorschlag Cottas beträfe, könne G.s Familie sich mit den festgesetzten Bedingungen voellig beruhigen. Cotta werde kaum darüber hinausgehen können, indem eine Maße von 20,000 Expl zu 40 Bänden und zum Preis von 20 Guld nicht so leicht unterzubringen sey. Hoffnung auf eine baldige Einigung in der Verlagsangelegenheit.

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