Normalzeugnis Zeugnis

J. Voigt nach Akten des STA Weimar (J. Voigt S. 230)

Am Vormittag des 9. Dezember wurde der Gewerkentag in der Bergamtsstube auf dem Rathause damit eröffnet, „daß nachdem Fürstl. Commission daselbst Sitz genommen und die Bergwerks-Officianten sämmtlich vorbeschieden hatte, hierauf auch die in der Raths Stube versammelten hiesigen Honoratioren, Gewerken und gewerkschaftlichen Deputirten und Agenten vorgelassen wurden“. Es waren sieben Deputierte, fast sämtlich aus Weimar und Ilmenau, erschienen, deren Vollmachten geprüft und zu Protokoll genommen wurden. Alsdann legte Goethe in einer Ansprache den gegenwärtigen Zustand des Werkes dar. Indem er seinen Ausgangspunkt von den trüben politischen Verhältnissen der Zeit nahm ... erinnerte er an die großen Schwierigkeiten und Gefahren, mit denen die Deutschen an der Grenze mutig und unverzagt kämpften, und wies die Ilmenauer Gewerken darauf hin, daß sie, deren Unternehmen sich der Segnungen des Friedens erfreue, sich bei den gegenwärtigen Hindernissen an dem Beispiel ihrer Landsleute aufrichten müßten ... Nach Goethes Vortrag beschloß man, die Beratung der verschiedenen Punkte auf die Sitzung am Nachmittag zu verlegen und sofort unter Führung der Kommission die Hüttengebäude in Augenschein zu nehmen. Man besichtigte das Schmelzwerk nebst dem bisher erhaltenen Rohstein, das Probierlaboratorium, das in Tätigkeit befindliche Pochwerk, sowie die Waschherde, auf denen Schiefer zu Schlich verarbeitet wurde, und nahm Anlaß, zu den neuen Anlagen seine volle Zufriedenheit auszusprechen. Am Nachmittag war Sitzung im Quartier der Kommission auf dem Amtshause. Die Kommission trug vor, was alles seit Erscheinen der sechsten Nachricht geschehen war, und erstattete vor allem über das Schmelzen Bericht. Zwar sei das Ausbringen von den rohen Schiefern und Erzen nicht besonders günstig gewesen, doch habe man durch Waschen solche Schliche erhalten, daß man „auf ihre Vervielfältigung und Verbesserung eine vortheilhafte und bleibende Einrichtung des Werkes bauen könne“. Man beabsichtige auch, besondere Rücksicht auf die Erlangung des Bleies zu nehmen und einen geeigneten Schmelzprozeß durch Kunstverständige festsetzen zu lassen. Nach längerer Erörterung einigte man sich dahin, „daß zu Prüfung und Auswählung der vortheilhaftesten Schmelz Operation, nach Beschaffenheit der zu erlangenden Schliche, Zeit gewonnen werden, und durch mehrere Proben, im Kleinen sowohl als im Größern, man sich der Gültigkeit vergewissern und einen Oekonomie Plan hierauf gründen müsse“.

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