Brief

Von Karl Friedrich Zelter (22. bis 25. Mai 1820)

1820 Mai 22 Zitat aus der Apostelgeschichte am Pfingstmontage. - Die Pudelszene und die Spiegelszene in Gretchens Kammer aus G.s "Faust" würden durch Musik gehoben. 1820 Mai 25 Ausführlicher Bericht über die Aufführung von "Faust"-Szenen am 24. Mai im Berliner Schloß aus Anlaß des Geburtstags der Fürstin L. Radziwill: Das Lob des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. habe Z. honigsüß vernommen. Begeisterung der Fürstin Radziwill sowie der Herzogin Friederike von Cumberland für G. und seinen "Faust". Spott über Texteingriffe (aus Rücksicht auf die anwesenden Damen). Ähnlich sei man mit den beiden Kolossalen Apollen (von G. F. Ebenhech) am Tiergarten verfahren, die man unsachgemäß mit einem Feigenblatt versehen habe. Lob für Fürst A. Radziwills Vertonung. Dieser habe dem Vernehmen nach einen Prozeß gewonnen, was ihm jährlich 80.000 Dukaten einbringe, die ihm jeder gönnt besonders seine Gläubiger. Weiter über die Aufführung: Einen gebornen Prinzen als tüchtigen Mephisto (Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz), unsern ersten Schauspieler als Faust (P. A. Wolff), unsere erste Schauspielerin als Gretchen (A. Stich), einen Fürsten als Komponisten, einen würklich guten König als ersten Zuhörer mit seinen jüngsten Kindern u ganzem Hofe; erwähnt: Graf K. Brühl. - Erkundigungen nach G.s Wohlergehen von allen Seiten und Verwunderung, daß er bereits in Karlsbad sei. - Das neue Schauspielhaus solle nach dessen Fertigstellung von G. besprochen werden (vgl. "Prolog zu Eröffnung des Berliner Theaters im Mai 1821"). - Genugtuung Z.s darüber, daß die Leute von ihm widerwillen lernen, G. von Grund aus zu lieben; Zitat aus "Faust".

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