Brief
Von Friedrich Mosengeil (11. Dezember 1819)
M. übersendet als Zeichen seiner Dankbarkeit für die Genüsse, die er G.s Werken verdanke, seinen declamatorischen Versuch (Zwischentexte zu Beethovens "Egmont"-Musik), dessen Entstehung der Prolog andeute und entschuldige. Die Aufführung in Meiningen habe ihren Zweck: 'den Hörern der Beethoven'schen Musik die Hauptmomente des Drama's, das sie erzeugt, zur Anschauung zu bringen', nicht verfehlt. Die Kapelle habe die herrlichen Tonstücke sehr brav und M. seine Zwischenreden, so gut er vermochte, vorgetragen. M. hofft auf Aufführungen auch anderwärts, wo man zwar mit guter Instrumentalmusik, aber mit keinem [...] guten Theater versehen ist. Auch weitere dramatische Meisterwerke, etwa G.s "Faust" und Schillers "Jungfrau von Orleans", könnten, auf ähnliche Weise genommen, den großen Componisten Deutschlands einen begeisternden Stoff darreichen. So wenig die Miniatur-Mahlerey in der Musik, wie etwa Haydns "Jahreszeiten" (Text von G. van Swieten nach J. Thomson) befriedige, so erfreulich sei die Wirkung, wenn ein Meister der Tonkunst schon gegebne poetische Darstellungen im Großen auffaßt, und so gleichsam al Fresco mahlt. Das habe Beethoven in seinen Zwischenakten zu G.s "Egmont" herrlich geleistet. - Bitte, die Beylage K. L. von Knebel mitzuteilen. Grüße von Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen und K. von Baumbach.
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