Normalzeugnis Zeugnis
Tagebuch 31. 8. 1797 (WA III 2, 109)
Den 31. Nachmittag war ich beym Mechanikus Tiedemann, einem schätzbaren Arbeiter, der sich selbst gebildet hat. Mehrere Gesellen arbeiten unter ihm, und er ist eigentlich nur beschäftigt seine Ferngläser zusammenzusetzen. Eine Bemühung, die wegen der Zusammensetzung der Objectiv Gläser viel Zeit erfordert, indem diese, wie man weiß, wenn gleich das Verhältniß, wornach das Flint und Crownglas geschliffen werden muß, zwar wohl im Ganzen angeben, doch aber die Gläser, die eigentlich zusammen gehören, jedesmal durch die Erfahrung zusammensuchen muß. Ein Perspectiv, dessen erstes Rohr ohngefähr 18 Zoll lang ist und durch das man auf 600 Fuß eine Schrift, die ohngefähr einen Zoll hoch ist, sehr deutlich lesen, ja auf einer weißen Tafel kleine Puncte recht deutlich unterscheiden kann, verkauft er für 7½ Carolin.
Wir besuchten Herrn Obrist Ltnant Wing, der recht gute Gemählde besitzt. Eins von Franz Floris ... Von Hetsch ... Eine Landschaft mit Räubern, die für Rubens gegeben wird ... Einige andere mehr oder weniger kleine ausgeführte Bilder von Rubens.
Gleichfalls besuchten wir Herrn Professor Harper, der ein gebohrner Landschaftsmahler ist. Die Begebenheiten und Bewegungen der Natur, indem sie Gegenden zusammensetzt, sind ihm sehr gegenwärtig, so daß er mit vielem Geschmack landschaftliche Gemählde hervorbringt. Freylich sind es alles nur imaginirte Bilder und seine Farbe ist hart und roh, allein er mahlt aus Grundsätzen auf diese Weise, indem er behauptet daß sie mit der Zeit Ton und Harmonie erhalten, wie denn auch einige 30 bis 40jährige Bilder von ihm zu beweisen scheinen. Er ist ein gar guter, allgemein beliebter, wohlerhaltner Mann in den sechzigen und wird von hier bald nach Berlin abgehen ...
Hierauf ein wenig spatzieren und dann in das Schauspiel ... Es ward Don Karlos von Schiller gegeben.
Bezüge im Wissensnetz
Teil von (2)
GZP-Knowledge-GraphHat Sprache (1)
GZP-Knowledge-Graph- Deutsch