Normalzeugnis Zeugnis
K. v. Lyncker, Am Weimar. Hofe S. 122
Mit dem Jahre 1782 fiel der Präsident v. Kalb in Ungnade, erhielt eine Pension und verließ Weimar. Geheimrat v. Goethe übernahm das Kammerpräsidium auf kurze Zeit, und es wollte verlauten, als habe Goethe einigen Anteil an dieser Entlassung gehabt. In der Wahrheit beruhet aber, daß Kalb mancherlei Verschulden hinsichtlich der Kammerverwaltung auf sich geladen, namentlich daß er bei einer Anwesenheit des Herzogs in Allstedt, wo er gleichfalls zugegen war, eine ansehnliche Akquisition von Wiesen zu seinem Gute Kalbsrieth und zwar, wie man sagte, auf eine sehr zweideutige Weise gemacht hatte. Ebenso wahr ist es aber auch, daß man, obgleich alle Diejenigen, welche Goethe nicht gern sahen, wohl geneigt waren, ihm mancherlei zur Last zu legen, doch nicht einen einzigen Fall aufführen kann, wo Derselbe vorsätzlich irgend Jemanden geschadet hätte. Schrieb man ihm auch einigen Egoismus zu, so mußte man doch jederzeit anerkennen, daß er ihn nie auf Kosten Anderer geübt hatte.
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