Normalzeugnis Zeugnis

Merck an Nicolai 3. 11. 1777 (Wagner3 S. 151)

Ich hab’ ihn neuerlich auf Wartburg besucht, und wir haben 10 Tage zusammen wie die Kinder gelebt. Mich freuts, daß ich von Angesicht gesehen habe, was an seiner Situation ist. Das Beste von Allem ist der Herzog, den die Esel zu einem schwachen Menschen gebrandmarkt haben, und der ein eisenfester Charakter ist. Ich würde aus Liebe zu ihm eben das thun, was Goethe thut. Die Mährchen kommen alle von Leuten, die ohngefähr so viel Auge haben zu sehn, wie die Bedienten, die hinterm Stuhle stehn von ihren Herrn und deren Gespräch urtheilen können ... Ich sage Ihnen aufrichtig der Herzog ist einer der respektabelsten und gescheutesten Menschen, die ich je gesehen habe – und überlegen Sie dabey ein Fürst und ein Mensch von 20 Jahren. Ich dächte Goethes Gesellschaft, wenn man muthwillig voraussetzen will, er sey ein Schurke, sollte doch mit der Zeit ein wenig guten Einfluß haben. Das Geträtsche, daß er sich nach Goethe bilde, ist so unleidlich unwahr als Etwas, denn es ist ihm Niemand unausstehlicher als Goethes Affen.

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