Normalzeugnis Zeugnis

Niederschrift über eine Unterredung mit Maurice 6. 5. 1795 (Tümmler2 S. 100)

Heute erschien der Werkmeister Moritz von Ilmenau und brachte mündlich die Nachricht von dem Tode des Herrn von Wendels, empfahl sich und seine Dienste und bat, daß man bei dem Hammergeschäfte künftig auf ihn Rücksicht nehmen möchte. Schon daraus, daß er die Eisenwerke der alten Frau von Wendel im Luxemburgischen dirigiert, daß Herr von Wendel, wie bekannt, die Absicht gehabt, ihm künftig bei dem Ilmenauer Hammerwerke den praktischen Teil gleichfalls aufzutragen, sei zu schließen, daß er in diesem Geschäfte vollkommen erfahren sein müsse; auch dürfe er sich rühmen, daß er sowohl bei Behandlung des Eisenhammers als auch bei etwa vorzunehmenden Versuchen dasjenige allein zu leisten imstande sei, was er, wenn Herr von Wendel am Leben geblieben, in Verbindung mit demselben würde geleistet haben. Um so mehr, da sie sich schon vorläufig über alles dasjenige, was vorzunehmen wäre, umständlich besprochen. Es wurde demselben hierauf zugesagt, dass er nach genauerer Überlegung und Untersuchung der Sache mit Resolution versehen werden solle. Hierauf fragte ich ihn, wie es komme, daß man unter dem Nachlasse des Herrn von Wendel kein bares Geld gefunden, da doch derselbe bei seinem hiesigen Aufenthalt alle Unterstützung abgelehnt, daß er noch auf einige Zeit mit Geld versehen sei, behauptet und bei seinem Abschiede 48 Stück Laubtaler erhalten, um solche in der Folge auf zu berechnende und mitzuteilende Versuche aufzuwenden; dieses Geld müsse wenigstens zum größesten Teile noch vorrätig sein. Moritz versetzte darauf: Es habe der Herr von Wendel aus Ehrliebe seinen Zustand vor fremden Personen verborgen gehalten, sei aber bei seiner Hierherkunft von allem Gelde dergestalt entblößt gewesen, daß er, Moritz, jede, auch die geringste Auslage für ihn machen, ihm, da er nach Hofe gegangen, die notdürftigsten Kleider anschaffen, den Aufenthalt im Gasthofe bezahlen und auch die Reisekosten nach Ilmenau auslegen müssen. Als die 12 Carolin dem von Wendel zugestellt worden, so habe derselbe sie ihm übergeben, um sie in den Mantelsack zu packen, und dabei geäußert, er habe sie zu künftigen Versuchen und zu seiner einstweiligen Sustentation erhalten. Er, Moritz, habe sie nachher in Verwahrung genommen, es sei etwas Weniges an Materialien für die Kristallfabrikation dafür eingekauft worden und das Übrige sei gewissermaßen noch vorrätig. Da er aber bei den gnädigen Gesinnungen Serenissimi gegen den verstorbenen von Wendel überzeugt wäre, daß Höchstdieselben, wenn Sie dessen Umstände gewußt, ihm bei seinen Lebzeiten würden unter die Arme gegriffen haben, so hoffe er, daß ihm erlaubt sein würde, sich wegen seiner Auslagen von mehrgedachtem Gelde zu remboursieren. Er habe alles genau aufgeschrieben und werde, sobald er nach Ilmenau komme, die Rechnung aufsetzen und solche mit Erlaubnis einreichen. Ich äußerte ihm darauf, daß er diese Rechnung zu fertigen und höchste Resolution darauf zu erwarten habe. Er brachte hierauf noch einiges, die letzten Verordnungen und den Nachlaß des verstorbenen Wendels betreffend, vor, welches aber, als nicht zu unserem Auftrag gehörig, abgelehnt und er deshalb an das Amt und Fürstl. Regierung gewiesen wurde.

Bezüge im Wissensnetz

Teil von (2)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Fand statt in (1)

GZP-Knowledge-Graph

Geschaffen von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen