Brief
Von Friedrich Ludwig Zacharias Werner (22. November 1808)
Bitte, beifolgendes Sonnett ("Der Franzbrunnen"), das er Cotta für sein MBl (1808, Nr. 300) übersandt habe, gütigst aufzunehmen. - W. freue sich über die Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion an G. und müsse daher Napoleon verehren, der als Deutschlands grössester Lehrmeister, es, selbst für seine Unterlassungssünden auf eine so edle Art zu beschämen weiß. Wunsch, daß G. das "Kreuz an der Ostsee" inzeniere. - W. werde spätestens am 6. Dezember Paris verlassen, um Mitte Dezember in Weimar einzutreffen. Sehnsucht nach Weimar und G. G.s Frau möge ihm ein preiswertes Privatquartier besorgen lassen. W. wolle sich bis Ostern in Weimar aufhalten. Wunsch, in G.s Nähe bleiben zu können, oder aber nach Rom zu gehen. - Ausführlich über seinen Plan einer ächtdeutschen Tragödie [...] aus der Geschichte Keyser Heinrich II und seiner Gemahlin Cunegunde, zu der er noch in der Pariser Nationalbibliothek Stoff sammeln müsse; Erwähnung der Kriege Heinrichs gegen Arduin, den angemaaßten König von Italien. Das Stück ("Kunegunde die Heilige"), das weder Mystik noch Geistererscheinungen enthalten solle, könne am 30. Januar (Geburtstag der Hezogin) aufgeführt werden. - Über Madame de Staël, seine Gastgeberin in Coppet, die gut und wahrhafft, aber zerissen von innen und aussen sei. - Über sein Leben in Paris, wo er A. L. Millin, J. B. A. Suard, Talma, Lacépède und Madame Gérando gesehen habe. Den Vormittag widme er den Kunstschätzen des Louvre, wo mit der Büste des vatikanischen Jupiters im Antikensaal G. verehrt werde. Abends besuche er das Theater und Gesellschaften; erwähnt: Madame Récamier. Über die Pariser; Vergleiche zwischen StockFranzosen und StockPolen; erwähnt: G. Coustou d. Ä. - H. von Chézy und T. aus dem Winkel seien schauderhafte Beyspiele für deutsche ästhetische Weiblichkeit in Paris. - Von seiner Bewunderung für den "Apollo von Belvedere", die "Pallas von Velletri", den "Laokoon" und Raffaels himmlische Jardiniere, erwähnt: Margarete in G.s "Faust". G. habe recht, daß der "Apollo" von der Kunst des Christentums bis jezt unerreicht geblieben sei. In dessen Anblick werde W. sein eignes unwiderbringlich verwahrlostes Leben deutlich. Im Gegensatz zur göttlichen Verachtung eines Apolls. die vernichte, tröste dagegen eine Leucothea mit dem kleineren Bacchus, die einer Madonna gleiche. Von Canova seien vier herrliche Stücke auf der Kunstausstellung. W. habe auch die Antiken aus der Villa Borghese und die Bilder Raffaels gesehen. Von Denon habe er eine Sondererlaubnis zum Eintritt in das Innere der Gemäldegallerie erwirkt.
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- Raffael
- Suard, Jean Baptiste Antoine
- Millin, Aubin Louis
- Canova, Antonio
- Denon, Dominique Vivant
- Luise, Sachsen-Weimar-Eisenach, Großherzogin
- Staël (S.-Holstein), Anne Louise Germaine de geb. Necker
- Charlotte von Stein
- Christiane von Goethe
- Johann Friedrich Cotta
- Lacépède, Bernard Germain Etienne de Laville
- Winckel (Winkel), Therese Emilie Henriette aus dem
- Chézy, Wilhelmine (Helmina) Christiane von geb. von Klenke (Klencke), gesch. von Hastfer
- Gérando, Maria Anna Franziska de geb. von Rathsamhausen
- Coustou, Guillaume d. Ä.
- Talma, François Joseph
- Heinrich II. Kaiser
- Récamier, Jeanne Françoise Julie Adélaide geb. Bernard
- Arduin Markgraf von Ivrea
- Kunigunde geb. Markgräfin von Luxemburg
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