Brief
An Johann Gottfried Herder (12. März 1790)
Der Flecken ist zwar nicht ganz ausgetilgt, das Schloß noch nicht ganz bewohnbar, ich gehe aber doch weiter, das übrige wird auch gethan werden.
Noch bin ich in Jena, und wenn mir dieser Ort verhaßt werden könnte, so hätt er es diese Tage werden müßen. So ein Greuel von Mißverhältnißen als ich nur einigermaßen zu balanciren hatte ist mit Gedancken kaum zu faßen, mit Worten nicht auszudrücken.
Habt Danck für eure Liebe und Andencken, ich gehe dießmal ungern von Hause, und dieser Stillstand in der Nähe macht mir die Sehnsucht rückwärts noch mehr rege. Ich will suchen morgen fortzukommen.
Da man gegen das Ende weich und sorglich zu werden anfängt, so fiel mir erst ein: daß nach meiner Abreise mein Mädchen und mein Kleiner ganz und gar verlaßen sind, wenn ihnen irgend etwas zustieße, worinn sie sich nicht zu helfen wüßten, ich habe ihr gesagt: sich in einem solchen äussersten Falle an Dich zu wenden. Verzeih. /
Für Augusten lege ich ein Blat bey, es that mir herzlich leyd daß ich ihn zurücklaßen mußte, es ging aber in manchem betracht nicht an ihn mit zu nehmen.
Heute verdrießts mich bey so schönem Wetter in der Stube bleiben und mein Geschäft endigen zu müßen. Ohne die Jenaischen Händel wäre ich in Nürnberg.
Lebt wohl und grüßt alles. Knebeln und die Fr. v Kalb. Ich dachte selbst daran Knebeln mitzunehmen. Er ist so gut und es ist so gefährlich sich mit ihm zu gesellen, und ich habe so ganz meine eigne Weise nach der ich leben muß oder ganz elend bin. Lebt wohl. Gedenckt mein in Liebe.
Jena d. 12 März 1790.
G
Dancke für Ronca.
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